Einnahme von Medizin bei öffentlicher Kundgebung

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chris_HD
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Einnahme von Medizin bei öffentlicher Kundgebung

Beitrag von chris_HD »

Hallo Forum,

da demnächst bei mir in Heidelberg eine Kundgebung zum Thema "Schluss mit Krimi - Cannabis normal!" stattfindet, siehe https://hanfverband-forum.de/viewtopic.p ... =60#p13912, wollte ich die Demo- und Polizei-Erfahrenen unter Euch, aber auch alle anderen, wg. eines Konflikts befragen.

Hintegrund: Medizin-Patienten wollen auf der Kundgebung ihre Medizin öffentlich einnehmen.

Frage: Wie damit umgehen?

Mein Konflikt:

Als Veranstaltungs-Leiter will ich einerseits:
1. keinen Ärger oder Abbruch der Veranstaltung durch die Polizei; denn ich muss als Auflage der Stadt die öffentliche Ordnung jederzeit gewährleisten
2. jüngere, unerfahrene Teilnehmer ohne Medizin-Lizenz vor einer Strafverfolgung bewahren (Negativ-Beispiel der staatlichen Repression war für mich Stuttgart, wo beim GMM am 4.5.2013 sieben Zivilpolizisten anwesend waren und unerfahrene, konsumierende Teilnehmer verfolgt haben).

Andererseits bestehen die Medizin-Patienten auf der Einnahme ihrer Medizin.

Wie kann man damit geschickt verfahren?

Jede Meinung/Antwort ist erwünscht!
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bushdoctor
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Re: Einnahme von Medizin bei öffentlicher Kundgebung

Beitrag von bushdoctor »

Schwieriges Thema!

Bei einem Treffen nach der Patienten-Demo in Bonn (20.6.2013) gab es einen "Vorfall" in einer Gaststätte in Köln, der die Problematik gut darstellt:
Mein Tag bei der Kundgebung “Menschenrechte von Cannabispatienten achten!" (letzter Absatz)

Auch das Axel Junker vom SCM hat dazu Stellung bezogen:
Am Rande einer gelungenen Kundgebung

Ich persönlich sehe das so:
Einem Menschen kann man die Einnahme seiner Medizin nicht verbieten. Man kann ihn aber bitten, die Einnahme in einer diskreten Art vorzunehmen. Gegen "öffentliche Demo-Applikation" von Cannabis-Medizin auf einer Legalisierungsdemo hätte ich aber nichts einzuwenden.
Solange der Konsum auf öffentlichem Grund und Boden stattfindet gibt es von rechtlicher Seite auch keine Hindernisse (Rauchen muss halt dort erlaubt sein). Die Polizei kann die Demo deswegen auch nicht auflösen, da gegen keinerlei Auflagen verstoßen wird. Als Veranstalter bist Du auch nicht in jedem Fall persönlich für das Verhalten von einzelnen Demoteilnehmern verantwortlich. Du darfst nur nicht zu strafbaren Handlungen aufrufen.
chris_HD
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Re: Einnahme von Medizin bei öffentlicher Kundgebung

Beitrag von chris_HD »

danke, bushdoctor, vor allem für den zweiten link!
chris_HD
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Re: Einnahme von Medizin bei öffentlicher Kundgebung

Beitrag von chris_HD »

weitere Meinungen sind erwünscht...

Dass Patienten ihre lizenzierte Medizin während einer Kundgebung einnehmen, konnte ich mit anfangs überhaupt nicht vorstellen. Andererseits kann, soll und darf man niemanden verbieten, seine Medizin öffentlich einzunehmen.
Es kommt hier auf das 'Wie' an. Ich werde nochmals versuchen, nochmals mit den Patienten zu sprechen.

Ich habe ausserdem gelernt, dass es klüger ist, keine Regeln auszusprechen, denn die könnten u.U. gegen mich verwendet werden.
Florian Rister
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Re: Einnahme von Medizin bei öffentlicher Kundgebung

Beitrag von Florian Rister »

Du bist als Veranstalter nicht dafür verantwortlich Straftaten in der Demonstration zu verhindern. Insofern musst du auch nicht die Genehmigungen von Patienten sichten und kontrollieren. Du musst diese auch eigentlich nicht der Polizei gegenüber outen, wobei es in Köln letztes Jahr bei der Dampfparade von den Beamten erfragt wurde und alle Patienten sich freiwillig registriert haben.

Was sicher nicht schaden kann, ist den Teilnehmern relativ frühzeitig zu sagen das Cannabispatienten anwesend sind, die legal Cannabis besitzen und öffentlich konsumieren dürfen. Und das sich deswegen niemand anderes dazu verleitet fühlen soll hier Straftaten zu begehen, denn die Polizei wird im Zweifel einschreiten und Strafanzeige stellen.
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chris_HD
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Re: Einnahme von Medizin bei öffentlicher Kundgebung

Beitrag von chris_HD »

Wie ich in zwei Gesprächen mit einem Mitglieds des SCM erfahren habe, ist das Verhältnis mancher Mitglieder des ACM/SCM zum DHV gar nicht so gut, wie es sein könnte und sollte.

Beispiel Demo in Bonn: "Menschenrechte für Medizin-Patienten".

Wenn ich es richtig verstanden habe, sollen Genuss-Konsumenten im Schutze der legalen Patienten gemeinsam geraucht haben, was dem ACM/SCM gefällt, aber nicht dem DHV.
Die Position des DHV sei, dass nicht jede Demo zum smoke-in werden soll und kann.

Ich habe dafür keine schriftlichen Belege.
Es scheint aber durchaus Spannungen zu geben zwischen Medizin-Anwendung und Genuss, und es ist keinesfalls so, dass sich die beiden Anwendungs-Gebiete in idealerweise Weise gegenseitig befruchten.

Siehe auch https://hanfverband-forum.de/viewtopic.php?f=22&t=1270, wo es auch um die Frage geht, ob die Medizin beim DHV zu kurz kommt.

Vielleicht ist das ja auch ein regionales Problem hier bei mir im Rhein-Neckar-Raum.


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TheBeginning
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Re: Einnahme von Medizin bei öffentlicher Kundgebung

Beitrag von TheBeginning »

Ich sehe das so:
Bei medizinischer Verwendung bzw. Demo's wo die medizinische Verwendung von Cannabis im Vordergrund steht, ist es absolut Ok auch öffentlich zu konsumieren.
Ich bin aber auch der Meinung das es für den DHV nicht förderlich ist, wenn reine Genuss-Konsumenten auf Demo's öffentlich konsumieren. Der DHV möchte nicht zu Straftaten aufrufen und sollte schon garnicht mit Straftaten in Zusammenhang gebracht werden auf einer öffentlichen Demo. Das wäre für unser Vorhaben absolut nicht förderlich.
Florian Rister
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Re: Einnahme von Medizin bei öffentlicher Kundgebung

Beitrag von Florian Rister »

chris_HD hat geschrieben:Wie ich in zwei Gesprächen mit einem Mitglieds des SCM erfahren habe, ist das Verhältnis mancher Mitglieder des ACM/SCM zum DHV gar nicht so gut, wie es sein könnte und sollte.

Beispiel Demo in Bonn: "Menschenrechte für Medizin-Patienten".

Wenn ich es richtig verstanden habe, sollen Genuss-Konsumenten im Schutze der legalen Patienten gemeinsam geraucht haben, was dem ACM/SCM gefällt, aber nicht dem DHV.
Die Position des DHV sei, dass nicht jede Demo zum smoke-in werden soll und kann.

Ich habe dafür keine schriftlichen Belege.
Es scheint aber durchaus Spannungen zu geben zwischen Medizin-Anwendung und Genuss, und es ist keinesfalls so, dass sich die beiden Anwendungs-Gebiete in idealerweise Weise gegenseitig befruchten.

Siehe auch https://hanfverband-forum.de/viewtopic.php?f=22&t=1270, wo es auch um die Frage geht, ob die Medizin beim DHV zu kurz kommt.

Vielleicht ist das ja auch ein regionales Problem hier bei mir im Rhein-Neckar-Raum.


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Mir ist nicht bekannt das sich Georg zu der Frage kiffen auf demos jemals geäußert hätte. Die Bezeichnung "Im Schutz der Patienten" finde ich in dem Zusammenhang allerdings auch merkwürdig. Kein Mensch kann von außen erkennen ob jemand Patient ist oder nicht. (in Bonn mag das anders gewesen sein, ich war nicht dort) Wenn sich dort wirklich irgendwelche Leute gezielt in die Patientenreihen gemischt haben um in Ruhe rauchen zu können oder sogar rumzuschnorren (was Patienten ja immer in eine besonders heikle Lage bringt) fände ich das auch irgendwie blöd und dann könnte man das auch kritisieren.

Was ich weiß ist: Niemand in den Reihen des DHV hat ein Problem mit der Arbeit des SCM oder der Patienten. Ganz im Gegenteil, wir stehen in losem Kontakt und arbeiten zusammen wenn es Sinn macht. Der DHV vermittelt reihenweise Leute an den SCM und an Grotenhermen.

Was da bei manchen für Sand im Getriebe hängt... keine ahnung. Ich weiß nicht was in den letzten Jahren alles für Geschichten passiert sind, aber irgendwo hakts tatsächlich ein bißchen. Das ist allerdings soweit ich das sehen kann eher auf der persönlichen Ebene mancher Akteure als auf organisatorischer Ebene. Da kommt halt auch die grundsätzliche Problematik immer zu Tage das beim DHV Menschen sitzen die Geld mit ihrer Arbeit verdienen, und andere Menschen (so wie ich und ihr alle) das nur nebenbei auf eigene Faust machen.

Auf jeden Fall ist es mir als Veranstalter einer Demo relativ egal ob jemand illegal oder legal Cannabis konsumiert. Ich bin kein Polizist, ich sorge nur für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung. Und Georg sieht das soweit ich einschätzen kann ähnlich. Das die Besucher es lieber lassen sollten - keine Frage!

Wir können gerne mal skypen wenn du willst, groooveman85 einfach suchen und anschreiben.
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chris_HD
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Re: AW: Einnahme von Medizin bei öffentlicher Kundgebung

Beitrag von chris_HD »

ich hoffe, dass ich die Wogen mit den lokalen ACM/SCM-Mitgliedern gestern etwas glätten konnte und dass ich für meine Kundgebung hoffentlich nicht solche internen Probleme habe.

Je mehr ich allerdings darüber nachdenke, komme ich zu dem Schluss, das ein prinzipieller, nicht auflösbarer und letzlich auch trivialer Unterschied zwischen Genuss- und Medizin-Patienten besteht.

Genuss ist Genuss und damit persönliche Freiheit, Spass und damit eher Kür.
Demgegenüber ist Medizin für Krankheit, Schmerzen, Leiden und daher eher ein Muss.
Das ist der unumstössliche Unterschied und die Wurzel für alle diese hier angesprochenen, potientiellen Probleme.

Aufgrund dieser grundverschiedenen Motivation könnten Medizin-Patienten im Einzelfall die Erfahrung machen, von Genuss-Patienten nicht ernst genommen der nicht genug wichtig genommen zu werden, wenn die Genuss-Konsumenten nicht äusserst sensibel bzgl. dieser Problematik sind.

Ich jedenfalls wurde inzwischen sensibilisiert.
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