persönliche Gefahren des Aktivismus

Florian Rister
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persönliche Gefahren des Aktivismus

Beitrag von Florian Rister » Mi 15. Feb 2012, 16:08

Es ist eine spannende Frage, die sicherlich viele hier innerlich beschäftigt.

Wie gefährlich ist es eigentlich in Deutschland, sich aktiv und öffentlich für eine Legalisierung von Cannabis einzusetzen?


Ich persönlich hatte früher auch große Ängste mich öffentlich zu zeigen. Mittlerweile bin ich aber, durch Gespräche mit Alt-Aktivisten und auch durch eigenes Nachdenken zu dem Entschluss gekommen, dass mir keinerlei Gefahren drohen, wenn ich auf Demos gehe oder meinen Namen auf Unterschriftenlisten setze oder oder oder.
Und nur weil ich auf irgend einer Demo fotografiert werde, ist das noch kein "Outing". Ich kann ja auch zum CSD gehen ohne schwul zu sein.

Letztendlich betreibt dieser Staat keine geheimdienstliche, organisierte Verfolgung von Drogenkonsumenten. Viele Menschen in Deutschland haben sich schon öffentlich geoutet, bestimmte Drogen zu nehmen, ohne daraufhin strafrechtliche Probleme zu bekommen.
Die Aktivisten alter Schule, die die große Legalize-it Welle Ende der 90er mitgemacht haben, haben mir eigentlich alle berichtet dass sie WENN, dann einfach so zufällig Probleme mit der Polizei bekommen haben, nicht wegen ihrem Aktivismus.

In Süddeutschland könnte das im Einzelfall anders sein (man denke an Hans Söllner oder Xavier Naidoo) aber solange man sich nicht selbst bezichtigt, ist auch hier alles in Butter.

Was natürlich noch manche umtreibt sind die Probleme mit Arbeitgebern, Freunden und Famillie. Die sind natürlich im ersten Moment viel realer und "stressiger" als potentielle polizeiliche Ermittlungen.
Ich denke, da muß jeder selber einschätzen wie der eigene Arbeitgeber dazu steht. Im Notfall bleibt anonymer Aktivismus im Internet und Teilnahme an Veranstaltungen mit Sonnenbrille und Basecap :)

Was sind eure Erfahrungen bei Aktionen? Wie sieht Polizeirepression auf Demos aus? Gabs tatsächlich mal Stress beim Job weil der Chef euch in der Zeitung auf der Hanfparade gesehen hat? Bei Gericht plötzlich mit dem eigenen Aktivismus konfrontiert worden?

Erzählt mal, ob da jemand Erfahrungen gemacht hat. Ich glaube nicht, dass der Staat so da hinter her ist. Die brauchen immer noch einen konkreten Anfangsverdacht für Maßnahmen. Und der Chef hat andere Sorgen (es sei denn er will einen sowieso los werden)
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Re: persönliche Gefahren des Aktivismus

Beitrag von Blarto » Do 16. Feb 2012, 02:47

Ich sehe mich selbst in dieser Situation. Ich vertrete öffentlich meine Meinung über das Thema kaum. Wenn das Thema Drogenpolitik mal zur Sprache kommt, dann beschränke ich mich meist auf etwas wie: "Ich denke man kann es sich nicht so einfach machen. Strike Verbote haben auch einige Nachteile". Aber irgendwie versuche ich immer den Anschein einer gewissen Gleichgültigkeit zu wahren, da ich nicht verdächtig wirken möchte. Damit meine ich, es soll nicht das Gerücht entstehen, dass ich in irgendeiner Form Cannabis konsumieren könnte. Und wenn man ehrlich ist, JEDEM der auch nur andeutet er könnte einer repressiven Drogenpolitik auch nur irgendwie kritisch gegenüberstehen wird automatisch Komsum unterstellt - und dadurch gleich jeder Glaubwürdigkeit beraubt.

Das ganze bezieht sich auf meinen gesamten Bekannten -und Freundeskreis, ich bin in dieser Hinsicht relativ vorsichtig.

Ich vermute es gibt viele die ähnlich denken wie ich. Das sind einerseits Komsumenten, aber auch einfach Menschen, die sich mit Drogenpolitik auseinandersetzen. Bei den Konsumenten ist die Angst sich zu outen, sicherlich am stärksten, da sie sich existenziellen Bedrohungen gegenübersehen. Das ist einerseits natürlich, die Strafverfolgung und Führerscheinproblematik, aber vorallem auch die Angst vor Schädigung der Karriere.

Meinen Namen auf eine Unterschriftenliste zu setzen, würde ich ja noch machen. Schwieriger sieht es dabei aus, im privaten Umfeld über das Thema zu sprechen.

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Re: persönliche Gefahren des Aktivismus

Beitrag von Philebos » Do 16. Feb 2012, 08:24

sehe ich auch so. Ein ganz großes Problem der Legalisierungsbewegung. Viele haben einfach angst sich zu Outen oder ihnen ist die Sache dieses Risiko nicht wert. Daher auch so weniger Hanfparadenbesucher zum einen und zum anderen so wenig "seriöse" Legalisierungsbeführworter. Auf der Hanfparade - wenn man den Fernsehbildern trauen darf - sind in erster Linie tatsächlich, wie die Stimme aus dem Off bei einem Bericht sagte, Althippies, Rastas und Jugendliche. Nicht, das ich was gegen diese Gruppen hätte! Aber die meisten Menschen dieses Landes können sich mit diesen Gruppen nicht identifizieren, weshalb sie deren Meinung auch nicht sonderlich interessiert. Kiffen ist in der öffentlichen Wahrnehmung etwas für Außenseiter. Deshalb hat man auch als Kiffer wenig Prolbeme mit der Polizei, wenn man optisch nicht in dieses Raster passt..

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Re: persönliche Gefahren des Aktivismus

Beitrag von Florian Rister » Do 16. Feb 2012, 11:55

@blarto: Versuch doch einfach mal testweise (wenn du mit Fremden mal ins Gespräch kommst zum Beispiel) folgende Position einzunehmen.

-Nein ich nehme keine Drogen

-Der Cannabiskonsum in Holland ist nicht höher als in Deutschland

-Ich will keine Steuern für die Verfolgung von Kiffern bezahlen, ich will lieber deren Konsum besteuern.

-Und ich will nicht dass meine Kinder irgendwann am Schulhof Gras kaufen können. Cannabis gehört in lizensierte Fachgeschäfte oder geschlossene Clubs, nicht auf den Schwarzmarkt und Schulhof.



Glaub mir, man kann diese Position einnehmen, ohne komische Blicke. Ich hatte selber im Zivildienst einen älteren Mitarbeiter der genau diese Position vertreten hat (ich war damals noch suuper paranoid). Naja er hat seine Kippen immer mit OCB-Papp-Filtern gedreht daher glaube ich schon, dass er mal gekifft hat. Aber im Kollegium hatte der mit dieser Position überhaupt keine Probleme und niemand hat ihn irgendwie verdächtigt zu konsumieren, obwohl das Thema Drogen beruflich öfters kritisch diskutiert wurde..

Versuch es einfach mal bei Fremden, und dann arbeite dich in deinem Bekanntenkreis vor.

Gerade jetzt, wo das Thema in den Medien vorkommt, kann man durchaus zu dieser Erkenntnis kommen, ohne selber jemals illegalisierte Drogen genommen zu haben.
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Re: persönliche Gefahren des Aktivismus

Beitrag von Bom » Do 16. Feb 2012, 15:10

Das Problem habe ich ehrlichgesagt auch, gerade bei Verwandten. Meine Eltern beispielsweise, da ist das kein Problem, soetwas zu thematisieren. Sorgen machen sich Eltern und Schwestern bei Regelmäßigerem Konsum aber doch. Beim Rest der Familie würde ich soetwas nie anschneiden!
Selbst bei Bekannten, die selbst kiffen habe ich immer im Hinterkopf: "Was, wenn der sich beim Nächsten verplappert?" (Wenn über mich geredet wird)
Je nach Bundesland ist das natürlich auch anders, Bayern ganz vorne ran! Von einem alten Hasen habe ich das aber auch von Oldenburg gehört. ...absägen von Aktivisten meine ich.
...Bald wieder aktiv, hoffentlich!

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Re: persönliche Gefahren des Aktivismus

Beitrag von Florian Rister » Do 16. Feb 2012, 15:36

Bom hat geschrieben:... Von einem alten Hasen habe ich das aber auch von Oldenburg gehört. ...absägen von Aktivisten meine ich.

Kannst du das ein bißchen ausführen, ohne zuviel zu verraten? Würde mich nämlich wirklich interessieren, ob überhaupt schon Aktivisten massive Probleme hatten, nur auf Grund ihrer öffentlichen Präsenz, ohne dass sie bei Straftaten erwischt wurden.

Meines Wissens nach, hält sich die Repression auf Grund des "Bekanntheitsgrads" sehr in Grenzen. (Bayern + BaWü ausgenommen) Die Polizei interessiert eher, wieviele Btm Einträge man hat, als in wievielen Fernsehshows man zum Thema auftritt.
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Re: persönliche Gefahren des Aktivismus

Beitrag von Bom » Do 16. Feb 2012, 15:50

Ich werde ihn mal nach ein paar Beispielen fragen. Er hat mir nur äußerst energisch davon abgeraten, als Person öffentlich auf der Straße für die Legalisierung zu werben. "Oldenburg lebt vom Verrat." Hat er auch noch gesagt. Hm... Wenn er zu Vorsicht rät, halte ich mich erstmal an seinen Rat. Ich könnte mir vorstellen, dass es zu massiven absichtlichen Behinderungen seitens der Behörden kommen könnte, wollte man nun eine Demonstration organisieren. Ist aber nur eine Vermutung.
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Re: persönliche Gefahren des Aktivismus

Beitrag von _Jan_ » Mo 20. Feb 2012, 22:21

Ich persönlich würde auch nie (nach-) namentlich für Legalisierung eintreten.
Ich diskutiere das auch nur mit Nicht-Konsumenten, wenn sie durch abstruse Äußerungen auffallen. Neulich musste ich einer Polizeianwärterin (kennengelernt in ner Kneipe) erklären, dass Cannabis nicht in dem Maße abhängig macht, wie man das (auf der Polizeischule?) erzählt bekommt.
Ich stelle dann gerne ein paar exemplarische Vorteile einer Legalisierung/kontrollierten Abgabe heraus (Jugendschutz, Steuern, Justizapparat zB)

Mit meinen Eltern würde ich nie über das Thema reden, obwohl ich eigentlich alt genug bin um die Entscheidung für mich zu treffen.

Vor dem Hintergrund habe ich großen Respekt vor Leuten wie Georg Wurth, Steffen Geier, Max Plenert usw. die der guten Sache ihren Namen und ihr Gesicht geben.

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Re: persönliche Gefahren des Aktivismus

Beitrag von rumpelheinzchen » Di 21. Feb 2012, 11:48

ist der ruf einmal ruiniert lebt es sich ganz ungeniert ;) ich bin auch immer vorsichtig mit meinen äusserungen über cannabis aber wie oben schon gesagt sollten wir die chance nutzen und nicht immer nur klappe halten . die medien liefern zur zeit genügend vorlagen!

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Re: persönliche Gefahren des Aktivismus

Beitrag von yogi12334 » Mo 27. Feb 2012, 17:11

guten tag bin neu hier und was ich hier lese find ich schon sehr komisch! weil:
sogut wie alle die cannabis konsumieren wollen eine legalisierung, aber dafür einstehen selber zu kiffen macht ihr nicht! alsoo ich finde das sehr verwirrend wie man so ne haltung haben kann kiffen ja aber drüber reden nein! ich denke wenn jemand eine meinung hat sollte man sie auch in so zimlich allen situationen kundtun! ich kann nur sagen ich bin zimlich allein , weil ich meine meinung vertrete und dazu stehe, und SO GENANNTE FREUNDE UND VERWANDTEN DIE DAMIT NICHT KLAR KOMMEN KÖNNEN SICH VERPISSEN! So menschen brauch niemand!!! weil eine meinung zu haben ist nichts schlimmes! solange man sie sachlich vertritt!
Natürlich gibt es situationen wo man es besser lassen sollte aber das sind meines erachtens nicht viele! ich halte nur meinen mund wenn ich mit den blau weißen zutun habe!

aber sonnst ist es mir soooooooooooooooo egal was ANDERE ÜBER MICH DENKEN!
und über cannabis vernünftig zu argumentieren ist doch wahrlich nicht schwer!
Ich sag nur Jugendschutz , Steuern, Reinheit, Essen, Bekleidung, Papier, Krankheiten die behandelt werden können , und natürlich den Scxhwarzmarkt bekämpfen,
all das sind argumente die ahnungslose zum nachdenken anregen!
Nicht zu diskutieren ist sicher der total falsche weg!

ACH ja jeder der mich kennt kennt auch meine meinung dazu! weil es ein bestandteil meines lebens ist!
mfg
P:S: würde mich freuen wenn herr würth sich dazu äussert! wie handbhaben sie das?

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Re: persönliche Gefahren des Aktivismus

Beitrag von Nordel » Mo 27. Feb 2012, 17:49

yogi12334 hat geschrieben:guten tag bin neu hier und was ich hier lese find ich schon sehr komisch! weil:
sogut wie alle die cannabis konsumieren wollen eine legalisierung, aber dafür einstehen selber zu kiffen macht ihr nicht! alsoo ich finde das sehr verwirrend wie man so ne haltung haben kann kiffen ja aber drüber reden nein! ich denke wenn jemand eine meinung hat sollte man sie auch in so zimlich allen situationen kundtun! ich kann nur sagen ich bin zimlich allein , weil ich meine meinung vertrete und dazu stehe, und SO GENANNTE FREUNDE UND VERWANDTEN DIE DAMIT NICHT KLAR KOMMEN KÖNNEN SICH VERPISSEN! So menschen brauch niemand!!! weil eine meinung zu haben ist nichts schlimmes! solange man sie sachlich vertritt!
Natürlich gibt es situationen wo man es besser lassen sollte aber das sind meines erachtens nicht viele! ich halte nur meinen mund wenn ich mit den blau weißen zutun habe!

aber sonnst ist es mir soooooooooooooooo egal was ANDERE ÜBER MICH DENKEN!
und über cannabis vernünftig zu argumentieren ist doch wahrlich nicht schwer!
Ich sag nur Jugendschutz , Steuern, Reinheit, Essen, Bekleidung, Papier, Krankheiten die behandelt werden können , und natürlich den Scxhwarzmarkt bekämpfen,
all das sind argumente die ahnungslose zum nachdenken anregen!
Nicht zu diskutieren ist sicher der total falsche weg!

ACH ja jeder der mich kennt kennt auch meine meinung dazu! weil es ein bestandteil meines lebens ist!
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P:S: würde mich freuen wenn herr würth sich dazu äussert! wie handbhaben sie das?
Ich glaube, der Großteil der sich hier im Forum für dieses Thema einsetzt, steht auch zu seinem Konsum!
Ich finde, du gehst da ein bisschen naiv an die Sache heran, du musst eben begreifen, dass es viele Menschen gibt, die nicht einfach in der Öffentlichkeit zugeben können, dass die Konsumenten sind. Hier muss man entscheiden, was einem wichtiger ist, der Job, worüber man seine Familie und sich selber ernährt, oder sein Genussmittel? Ist denjenigen der Führerschein wichtiger, weil er dadurch seinen Job überhaupt nachkommen kann und Mobil ist, oder sein Genussmittel? Versetze dich einfach mal in der Lage eines Grundschullehrers, denkst du er würde seinen Job nicht verlieren, wenn er öffentlich zugeben würde, dass er Cannabis konsumiert? Wie viele Eltern würden der Schulleitung anschließend drohen, ihre Kinder auf einer anderen Schule anzumelden? Es geht doch gar nicht, dass ein Drogenkonsument meine Kinder erzieht und denen etwas beibringen soll, ich hoffe du verstehst, worauf ich hinaus will. Dieses Problem haben allerdings nicht nur Grundschullehrer, sondern generell alle Lehrkräfte und auch viele andere Berufe, wie z. B. Juristen, Berufskraftfahrer (ohne Führerschein kein Job), Politiker, Polizisten. Selbst bei Jobs, wo es nicht um eine Vorbildfunktion geht, kann dem Chef es vielleicht gar nicht gefallen. Ein Handwerker könnte auch seinen Job verlieren, wenn der Chef ein starker Prohibitionist ist und erfährt, dass du Cannabis konsumierst. Man muss hier immer darauf achten, wie weit man gehen kann oder gehen möchte, die eigene Existenz zu verlieren hilft einem auch nicht bei diesem Thema weiter.

Ich weiß nicht, wie Alt du bist, allerdings nehme ich an, dass du noch ziemlich jung bist. Wenn du erst einmal eine Familie hast, um die dich kümmern musst mit Frau und Kindern, dann wirst du ganz anders darüber denken! Wenn du erst einmal einen Job hast, wofür du Jahre hart büffeln musstest, dann willst du den ganz sicher nicht verlieren. Damit schadest du dir selber und bist auch keine große Hilfe für die Sache. Einen Cannabis Gandhi wird bestimmt nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt, zumindest nicht vom Großteil der Bevölkerung, dafür ist unsere Gesellschaft leider zu sehr mit sich selber beschäftigt. Ich kann die Angst von vielen also durchaus nachvollziehen, würde mir aber auch wünschen, dass diese Leute wenigstens an Volksabstimmungen, Petition und dergleichen teilnehmen. Denn dabei ist immer eine gewisse Anonymität gewährleistet, weil ein großer Teil an Stimmen eingeht und nicht alle belangt werden können. Dass allerdings bestimmte Personen die Hanfparade meiden und auch nicht in der Öffentlichkeit jedem über ihren Konsum aufklären, kann ich vollkommen verstehen!

Herr Wurth hatte sich übrigens damals selber bei der Polizei angezeigt und vertritt in der Öffentlichkeit die Interessen von Millionen Cannabis-Konsumenten, ich denke, noch intensiver kann man nicht zu seinem Standpunkt stehen oder?

P.S. Herzlich Willkomen im Forum :)

Nette Grüße
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Re: persönliche Gefahren des Aktivismus

Beitrag von Bom » Mo 27. Feb 2012, 17:49

Ja, wenn das für dich so einfach ist, sehr gut. Warum bewirbst du dich nicht als Pressesprecher oder sowas beim DHV? Solche aufopferungsvollen menschen wie dich brauchen wir hier.

Edit: Danke @ Nordel. Wahnsinn, wie ruhig du an die sache gegangen bist.
...Bald wieder aktiv, hoffentlich!

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Re: persönliche Gefahren des Aktivismus

Beitrag von Florian Rister » Mo 27. Feb 2012, 19:17

Ich würde gerne ein bißchen beim topic bleiben, das sind die Gefahren von Cannabis-Legalisierungs-Aktivismus.

Und wie ich ja schon ausführlich geschrieben habe, ist es dafür gar nicht nötig sich zu outen. Die Menschen akzeptieren, dass man für Legalisierung eintritt, auch ohne zu konsumieren. Vielleicht denken sie hintenrum was anderes, aber sie nerven einen nicht deswegen.

Natürlich ist es gut, wenn Menschen auch in ihrem Bekannten und Famillienkreis zu ihrem Konsum stehen, aber das ist eigentlich sekundär. Ich finde es viel entscheidender, sich aktiv einzusetzen, Mit Geld und Zeit. Und das ist imho völlig ungefährlich! Das wollte ich mit diesem Thread sagen.

Egal ob man Grower ist mit Angst vor der Polizei, oder Bänker mit Angst vorm Chef: Es gibt massenhaft Wege, etwas zu tun, ohne besonders aufzufallen.
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Re: persönliche Gefahren des Aktivismus

Beitrag von Nordel » Mo 27. Feb 2012, 20:25

groooveman85 hat geschrieben:Ich würde gerne ein bißchen beim topic bleiben, das sind die Gefahren von Cannabis-Legalisierungs-Aktivismus. Und wie ich ja schon ausführlich geschrieben habe, ist es dafür gar nicht nötig sich zu outen. Die Menschen akzeptieren, dass man für Legalisierung eintritt, auch ohne zu konsumieren. Vielleicht denken sie hintenrum was anderes, aber sie nerven einen nicht deswegen.
Da bin ich anderer Meinung, in vielen Branchen kann man es sich denke ich nicht erlauben, der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass man gegen eine Prohibition ist, da erwarten dich die gleichen Konsequenzen wie einen Konsumenten (Verlust der Glaubwürdigkeit, des Ansehens bis hin zum Verlust des Jobs). Als Beispiel nehme ich jetzt Polizeipräsident Wimber aus Münster. Er hat nie gesagt, dass er Konsument wäre, sondern ausschließlich, dass die Prohibition gescheitert ist und er für einen regulären Markt wäre. Danach hagelte es Kritik in den Medien und Stimmen wurden laut und forderten den Rücktritt von Herrn Wimber. Josef Rickfelder von der CDU forderte den Rücktritt des Polizeipräsidenten. Ich hatte Herrn Rickfelder damit auch auf Abgeordnetenwatch konfrontiert und ihm geschrieben, dass ich es als Frechheit empfinde, anderen Menschen den Mund verbieten zu wollen, weil das ein Eingriff in unsere bzw. seine Grundrechte ist. Die Freie Meinungsäußerung sollte jedem zustehen, ganz egal welchen Job er ausübt, aber wie man an diesem Beispiel sieht, birgt so etwas eben gefahren. Als zweites Beispiel könnte ich Jugendrichter Müller aus Bernau nennen. Er hat die gleichen Ansichten wie Herr Wimber, dass die Prohibition ineffektiv ist und die Jugendlichen bei einer Verurteilung nur in einer Abwärtsspirale getrieben werden. Kurze Zeit später forderten CDU Politiker auch seinen Rücktritt. Ich denke in bestimmten Berufen muss man vorsichtig sein, ganz egal ob man selber Konsument ist oder die aktuelle Prohibition aus logischen Gründen nicht befürworten möchte. Für Lehrkräfte dürfte es genauso ausgehen und zahlreiche andere Berufe, eine gewisse Gefahr ist also in bestimmten Branchen immer vorhanden.
Natürlich ist es gut, wenn Menschen auch in ihrem Bekannten und Famillienkreis zu ihrem Konsum stehen, aber das ist eigentlich sekundär. Ich finde es viel entscheidender, sich aktiv einzusetzen, Mit Geld und Zeit. Und das ist imho völlig ungefährlich! Das wollte ich mit diesem Thread sagen. Egal ob man Grower ist mit Angst vor der Polizei, oder Bänker mit Angst vorm Chef: Es gibt massenhaft Wege, etwas zu tun, ohne besonders aufzufallen.
Dem stimme ich zu, solange man im Hintergrund arbeitet oder eben einen Job ausübt, wo man sich vor Repressalien nicht fürchten muss. Wer es sich nicht erlauben kann, sein Gesicht zu zeigen, kann andere Wege finden, um sich für dieses Thema einzusetzen und die, die es sich erlauben können ihr Gesicht zu zeigen, sollten das auch tun! Geld ist nicht unwichtig dabei, viel entscheidender ist allerdings Zeit und Fleiß und vor allem Disziplin (Durchhaltevermögen).

Nette Grüße
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Re: persönliche Gefahren des Aktivismus

Beitrag von Florian Rister » Mo 27. Feb 2012, 23:00

Naja, wenn man in der Öffentlichkeit steht, und sich öffentlich äußert, dann kriegt man öffentliches Feedback. Soviel ist klar.

Aber:

1.) Weder Wimbers noch Richter Müller haben ihren Job verloren, etwas Stress und Medienschelte, ein paar CDUler die sich echauffieren... Aber keiner hat seinen Job verloren. Wimbers ging in Rente und Müller arbeitet imho noch. Und grade bei Wimbers gab es ja auch viele lobende Worte für seinen Mut, halt eher von unten als von oben...

2.) Für einen "normalen" Lehrer, Lokalpolitiker, Bänker oder sonstige höhere Position innehabenden, ist es völlig OK, diese Meinung (Prohibition ist schlecht, aber ich nehme keine Drogen) zu vertreten. Man muß ja nicht gleich in die Medien stürzen. Bei Polizeichefs und hochrangigen Politikern ist es sicherlich ein bißchen was anderes, da steigt die Aufmerksamkeit automatisch.

3.) Wir sind uns ja eigentlich einig: Für jeden gibt es Möglichkeiten, sich zu engagieren. Man muss es nur wollen. Und sei es auch nur eine geheime Bar-Spende an irgendwelche Legalizer, die das Geld dann weiterleiten... :)
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Re: persönliche Gefahren des Aktivismus

Beitrag von CosmicWizard » Di 28. Feb 2012, 17:52

Sehe ich auch so, wir leben ja glücklicherweise noch nicht in einem kompletten Überwachungs-/Polizeistaat. Ich schreibe bewusst ''noch nicht komplett''.

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Re: persönliche Gefahren des Aktivismus

Beitrag von Florian Rister » Di 28. Feb 2012, 20:03

Hm grad heute kam doch die Meldung, dass letztes Jahr über 30 Mio Emails in Deutschland vom Geheimdienst gescant wurden:)

Aber selbst wenn alles überwacht würde: Solange man nicht übers Growen oder über Geschäfte redet, gibt das keinen Anfangsverdacht.

Die Cannabisaktivisten in Deutschland leben imho ziemlich sicher. Bisher konnte mir zumindest noch niemand ein gegenteiliges Beispiel bieten, und ich habe wirklich danach gesucht :D
Ich finde das Thema so spannend, weil ich selber früher, bevor ich aktiv war, vor Paranoia beinahe geplatzt bin, und erstmal selber lernen musste, dass man gefahrlos aktiv sein kann in Deutschland.
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Re: persönliche Gefahren des Aktivismus

Beitrag von Fabius » Do 8. Mär 2012, 15:20

groooveman85 hat geschrieben:Naja, wenn man in der Öffentlichkeit steht, und sich öffentlich äußert, dann kriegt man öffentliches Feedback. Soviel ist klar.

Aber:

1.) Weder Wimbers noch Richter Müller haben ihren Job verloren, etwas Stress und Medienschelte, ein paar CDUler die sich echauffieren... Aber keiner hat seinen Job verloren. Wimbers ging in Rente und Müller arbeitet imho noch. Und grade bei Wimbers gab es ja auch viele lobende Worte für seinen Mut, halt eher von unten als von oben...

2.) Für einen "normalen" Lehrer, Lokalpolitiker, Bänker oder sonstige höhere Position innehabenden, ist es völlig OK, diese Meinung (Prohibition ist schlecht, aber ich nehme keine Drogen) zu vertreten. Man muß ja nicht gleich in die Medien stürzen. Bei Polizeichefs und hochrangigen Politikern ist es sicherlich ein bißchen was anderes, da steigt die Aufmerksamkeit automatisch.

3.) Wir sind uns ja eigentlich einig: Für jeden gibt es Möglichkeiten, sich zu engagieren. Man muss es nur wollen. Und sei es auch nur eine geheime Bar-Spende an irgendwelche Legalizer, die das Geld dann weiterleiten... :)

Das ganze ist doch Traurig. Dan findet man sowas. Wie will man das den Bürgern erklären ? Für mich ist eindeutig was in De abgeht wenn ich sowas lese....

http://www.guttemplertreff.de/aktion_al ... bilanz.pdf
„Je tiefer man in die lebendige Natur hineinsieht, desto wunderbarer erkennt man sie. Ich glaube, man fühlt sich dann auch geborgen.“
Zitat: Albert Hofmann

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Re: persönliche Gefahren des Aktivismus

Beitrag von His Master's Voice » Fr 9. Mär 2012, 00:47

Um wieder zum Thema zu kommen, ich persönlich war bis vor Kurzem auch sehr paranoid drauf. Mein allernächstes Umfeld weiss von meiner Leidenschaft und ich habe eine gute Frau, die sogar ganz froh ist, dass ich nur Cannabis rauche und nicht trinke, solange ichs nicht übertreibe. Soweit alles ok, aber in der Öffentlichkeit hielt ich mich bisher total zurück. Habe da auch einen gewissen Ruf zu verlieren. So ging das die letzten 15 Jahre.

Was bei mir ein Umdenken ausgelöst hat, war der Bürgerdialog. Da habe ich zum ersten Mal in dieser Breite erlebt, dass es viele Leute in allen Schichten der Bevölkerung gibt, die Cannabis konsumieren. Ich war vorher szenemäßig ziemlich isoliert. Ich hatte mich von meinen altern Kiffer-Kumpels aus jungen Jahren eher etwas distanziert, weil einige von denen (vor allem durch jahrelangen Alkoholkonsum) schon etwas runtergekommen sind. Und das war dann auch bis vor kurzem mein Eindruck von Kiffern im Allgemeinen. Tja, die anderen Leute, denen ihr Ruf nicht egal ist, so wie ich ja auch, die, die was zu verlieren haben, sieht man halt nicht und das isoliert.

Auf dem Bürgerdialog bin ich wegen anderer Themen unterwegs gewesen und so zufällig auf den DHV gestoßen. (Kannte ich bisher nicht). Ja, und das Engagement all der Anderen hier zu sehen, insbesondere der Leute, die sich hier wirklich voll outen, lässt auch bei mir den Mut steigen, mich tatsächlich gegen die Prohibition einzusetzen. Mann, ich habe diesen ganzen Prohibitionsscheiss am Ende fast schon selbst geglaubt, mich selbst irgendwie illegal und falsch gefühlt. Inzwischen traue ich mir selbst wieder und bin mir jetzt auch absolut sicher, das ich mit Cannabis gesünder lebe, als mit Alkohol. Und wer mir jetzt mit Prohibition kommt, der kann mich mal. Ich sehe die Welt mit anderen Augen und fühle mich innerlich befreit. Zu öffentlichen Demos zu gehen, kann ich mir allerdings, solange das Ganze strafrechtlich bedroht ist, immer noch nicht erlauben. Von daher bleibt mir vorerst nur der halbwegs anonyme Widerstand über das Netz.

Und dass es hier ein Forum gibt, wo es nicht nur ums Kiffen an sich geht, sondern vor allem um das Ende der Prohibition ist für mich die tollste Entdeckung. Angst vor direkter Verfolgung habe ich eigentlich keine, so weit sind wir ja wohl hoffentlich noch nicht in Deutschland. Sollte ich irgendwie hochgenommen werden wegen meiner Aktivitäten hier, lasse ich es Euch wissen. Ich rechne aber wie gesagt nicht wirklich damit.
Wir sind Millionen...

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Re: persönliche Gefahren des Aktivismus

Beitrag von Florian Rister » Fr 9. Mär 2012, 12:30

His Master's Voice hat geschrieben:
Auf dem Bürgerdialog bin ich wegen anderer Themen unterwegs gewesen und so zufällig auf den DHV gestoßen. (Kannte ich bisher nicht). Ja, und das Engagement all der Anderen hier zu sehen, insbesondere der Leute, die sich hier wirklich voll outen, lässt auch bei mir den Mut steigen, mich tatsächlich gegen die Prohibition einzusetzen. Mann, ich habe diesen ganzen Prohibitionsscheiss am Ende fast schon selbst geglaubt, mich selbst irgendwie illegal und falsch gefühlt. Inzwischen traue ich mir selbst wieder und bin mir jetzt auch absolut sicher, das ich mit Cannabis gesünder lebe, als mit Alkohol. Und wer mir jetzt mit Prohibition kommt, der kann mich mal. Ich sehe die Welt mit anderen Augen und fühle mich innerlich befreit. Zu öffentlichen Demos zu gehen, kann ich mir allerdings, solange das Ganze strafrechtlich bedroht ist, immer noch nicht erlauben. Von daher bleibt mir vorerst nur der halbwegs anonyme Widerstand über das Netz.

Und dass es hier ein Forum gibt, wo es nicht nur ums Kiffen an sich geht, sondern vor allem um das Ende der Prohibition ist für mich die tollste Entdeckung. Angst vor direkter Verfolgung habe ich eigentlich keine, so weit sind wir ja wohl hoffentlich noch nicht in Deutschland. Sollte ich irgendwie hochgenommen werden wegen meiner Aktivitäten hier, lasse ich es Euch wissen. Ich rechne aber wie gesagt nicht wirklich damit.
Deine Aussage hat mich gestern richtig glücklich gemacht. Diese Selbstzweifel, dieses Akzeptieren der Prohibition als gottgegebenen, natürlichen Zustand beobachte ich bei so vielen Cannabiskonsumenten. Und es freut mich wirklich, wenn wir als Aktivisten es schaffen, den Menschen wieder etwas Vertrauen in ihre eigene Meinung zu geben.

Ansonsten kann ich nur noch einmal betonen, dass weder die Mitgliedschaft im DHV, noch das Mitlaufen auf Demonstrationen wirklich gefährlich sind. Man kann gegen die Prohibition sein, ohne sich als Konsument zu outen. (Ich persönlich bin ja z.B. auch für legale Heroinabgabe an Abhängige, will aber garantiert kein H konsumieren!)

Ich kann aber aus eigener Erfahrung auch jeden verstehen, der da erstmal vorsichtig ist. Auf meiner ersten Hanfparade bin ich auch nur mit Sonnenbrille rumgelaufen :D
Man macht da halt eine Entwicklung durch, und verliert im Laufe der Zeit seine durch die Prohibition antrainierten Ängste.
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