Kiffen dürfen reicht nicht

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overturn
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Re: Kiffen dürfen reicht nicht

Beitrag von overturn »

Hallo, Fabius!
Fabius hat geschrieben:Aha dann ist ein Fallschirmsprung, Bunjeejumping etc. gleichzusetzen mit dem Kosnsum von Heroin ?
Im Falle einer Abhängigkeit, durchaus. Man weiß, dass, unabhängig davon, ob es sich um eine Substanz oder eine Aktivität handelt; wir von Sex, CDs, Zigaretten oder Nahrung sprechen, auf neurophysiologischer Ebene, bei sämtlichen, erdenklichen Abhängigkeitserkrankungen, die gleichen Mechanismen ablaufen, die gleichen Hirnregionen aktiv sind. Das Risiko einer Abhängigkeit, lässt sich nicht mit bloßer Pharmakologie bestimmen oder berechnen, spielt in dem Großteil der möglichen Szenarien ("Spielsucht", etc.) überhaupt keine Rolle. Wenn man das verinnerlicht hat, wird auch jegliche Klassifizierung bedeutungslos.
Fabius hat geschrieben:Euern kinder würdet Ihr auch auswählen lassen. So nachdem Motto. Ne Sohnemann dieses Jahr gehen wir nicht Bunjeejumping sondern Spritzen ein bißchen Heroin vom Real oder Rauchen uns nen Lecker Blech. Oh mann Ihr seid einfach nur lächerlich. Merkt Ihr langsam was ?
Ich merke, dass du Konsumformen erwähnst, die bei einem freien Zugang aussterben würden. Davon ab, dass ein "Supermarkt-Modell" lediglich von einer einzigen Person in diesem Thread, wiederholt aufgegriffen wurde - und zwar von dir. Sehr schlechtes Beispiel ,)
Fabius hat geschrieben:Wenn man keine Ahnung hat einfach mal die Fre............... halten.
Die deutliche Mehrheit jener, die 'Heroin' konsumieren, tut dies ohne Probleme, und ohne jemals in eine dauerhafte Abhängigkeit zu rutschen. Die deutliche Mehrheit jener, die tatsächlich von 'Heroin' abhängig werden, kommt wieder davon los - und das, wie es bei allen Substanzen primär der Fall ist, ganz ohne Therapie. Der Rest deiner Argumentation, bleibt somit eine Mischung aus Ignoranz und Bigotterie.

Grüße!
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Florian Rister
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Re: Kiffen dürfen reicht nicht

Beitrag von Florian Rister »

Elli hat geschrieben:@ grooveman85

Stell doch bitte manche hier nicht so dar, dass sie nur aus Eigennutz gegen die Prohibition sind.

Dass habe ich nie behauptet! Ich sage nur, dass es sehr unterschiedliche Menschen gibt, die sich gegen die Prohibition einsetzen. Diese Menschen haben ganz unterschiedliche Erfahrungen und wenn man sie in Schubladen stecken will, machen diese beiden Schubladen Sinn. Zumal diese Gruppen in den USA noch viel deutlicher sichtbarer sind (ganz viele aktive Kiffer, die aber wenig lesen + ganz viele progressive Politiker die meistens wenig kiffen)

Naja, aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen: Sobald man sich ein paar Jahre inhaltlich mit Drogenpoltik auseinandersetzt, ein paar Bücher liest und sich schlau macht, kann man eigentlich nicht mehr für die Prohibition sein, egal um welche Substanz es sich dreht.

Aber auch wenn jemand "nur" für die Legalisierung von Cannabis ist, ist er deswegen nicht eigennützig. Das würde ich allerhöchstens solchen Leuten unterstellen, die in ihrem Zimmerchen sitzen und Bong rauchen, aber nichts für die politische Bewegung tun ;)

@fabius: Wie schon gesagt, fordert hier ja niemand legales Heroin an der Supermartktkasse neben den Kinder-Riegeln. Vielmehr müsste man in der Drogenpolitik einfach mal neue Wege gehen, und weg kommen von diesem Schwarz/Weiß Schema.
Es wäre schön, wenn du es schaffen könntest auf einzelne Argumente einzugehen, dann würde hier auch eine Diskussion entstehen. Solange das nicht passiert, glaube ich nicht dass es möglich ist dir meine Meinung zu diesem Thema zu erklären.

In jedem Fall sind und bleiben wir der Deutsche Hanf Verband, und haben da auch ganz klar unsere Zielsetzung in der Arbeit. Punkt.


edit: 2 Dinge wollte ich noch anmerken:
- In Portugal ist Drogenbesitz nicht erlaubt, nur konsequent dekriminalisiert mit einem intelligenten, wissenschaftlich durchdachten Konzept. Es darf also niemand irgendetwas besitzen, man wird nur nicht bestraft dafür.

-Heroin zu spritzen ist die logischste und effektivste Konsumform, und bei richtiger Anwendung auch die gesündeste. Insofern wird diese Konsumform auch bei einer Legalisierung nicht aussterben.
Das legale Heroin (Diacetylmorphin) das in Deutschland ausgegeben wird, wird auch gespritzt.
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Nordel
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Re: Kiffen dürfen reicht nicht

Beitrag von Nordel »

Fabius hat geschrieben:Ich habe doch gedacht das man an einem Strang zieht.
Anscheinend hast du nur gedacht, dass hier alle an "DEINEN" Strang ziehen! Wir sind allerdings nicht hier, um dir nach dem Mund zu reden! Jeder hat hier ein Recht auf seine eigene Meinung, das hat man zu respektieren, da brauch man nicht gleich eine aggressive Schreibweise an den Tag legen und anfangen zu stänkern!
Fabius hat geschrieben: Ja das mit den Abgabestellen würde ich auch gerne erklärt bekommen. Wie wollt Ihr das anstellen, eine so harte Droge wie Heroin zu legaliseren ?
Erst mal müsste hier geklärt werden, was die Leute unter einer "Legalisierung" verstehen. Legale Abgabe bedeutet nicht, dass die Drogen anschließend im Spielwarenhandel verkauft werden sollen!
Ich bin auch für eine "kontrollierte legale" Abgabe, meine Lösung würde über Krankenhäuser oder spezielle eingerichtete Institutionen laufen. 'Abhängigkeitserkrankte könnten im Krankenhaus legal ihre Dosis beziehen, dadurch wäre Folgendes gewährleistet:

Die Konsumenten hätten "immer" sauberes Besteck, wodurch die Verbreitung von Infektionskrankheiten (HIV, Hepatitis, etc.) unterbunden wird.
Der Gehalt des Wirkstoffes könnte kontrolliert werden, wodurch Überdosierungen verhindert werden.
Der Wirkstoff könnte auf Streckmittel getestet werden, dadurch würden keine Vergiftungen mehr zustande kommen.
Aufgrund des geringeren Preises bräuchten die Konsumenten sich nicht mehr prostituieren.
Auch die Beschaffungskriminalität, Raub, Diebstahl, Betrug, Mord, Totschlag, Hehlerei würde durch einen geringeren Preis gesenkt werden!
Konsumenten müssten nicht mehr auf gefährliche Ersatzdrogen ausweichen, weil kein Heroin vorhanden ist und der "Cold Turkey" überstanden werden muss.
Konsumenten wüssten, dass es auch wirklich Heroin ist, was die da gekauft haben und keine gefährliche Ersatzdroge wie z.B. Croc.
Heroin ist in Deutschland ein Tabu-Thema, was dazu führt, dass Konsumenten die auf Hilfe angewiesen sind, erst sehr spät damit rausrücken. So hätten die Konsumenten direkte Ansprechpartner zur Verfügung.
Die Dealer würden erheblich weniger verdienen, weil die meisten Konsumenten die legale Abgabe bevorzugen würden! Das ist bei uns Cannabis-Konsumenten doch auch nicht anders! Wäre eine legale Bezugsmöglichkeit vorhanden, würde ich nicht mehr auf dem Schwarzmarkt einkaufen und mich den ganzen Risiken dort aussetzen!
Fabius hat geschrieben:Wie soll der Konsument den Konsum richtig handhaben ?
Bei meiner Lösung gäbe es Ärzte, die dem Konsumenten die richtige Handhabung beibringen.
Wer soll den Konsumenten denn momentan die richtige Handhabung beibringen? Die Dealer?
Fabius hat geschrieben:Wie sieht es mit der Haftung gegenüber dem Konsumenten aus ?
Von welcher Haftung sprichst du genau? Der Konsum wäre auf eigene Gefahr, wie bei allen Drogen. Wer haftet denn momentan für eine Alkoholleiche? Wodka Gorbatschow? Krombacher oder Veltins?
Fabius hat geschrieben:Wer zahlt die Therapie von den Konsumenten, die vorher sich das Heroin bei Rossmann gekauft haben ?
Du übertreibst hier mal wider maßlos mit der Annahme, dass eine legale Abgabe über einen Drogeriemarkt oder einen Supermarkt stattfinden würde! Wenn sich hier also einer lächerlich macht, dann bist du das, mit solchen "Argumenten"!
Wer zahlt denn momentan die Therapien für die Konsumenten? Als ob die Konsumenten erst Therapien benötigen, wenn der Wirkstoff legal und kontrolliert abgegeben wird. Denkst du etwa, dass legales Heroin mehr Therapien zur Folge hätte, als illegales Heroin?
Fabius hat geschrieben:Wie stellt Ihr euch Angebot und Nachfrage vor ?
Genauso wie jetzt auch? Derjenige der Heroin konsumiert kann es dann übers Krankenhaus machen und geht den Risiken des Schwarzmarktes aus dem Weg. Was genau ist also deine Frage? Denkst du, die Nachfrage würde steigen oder worauf willst du hinaus?
Fabius hat geschrieben:Wie sieht es mit dem BTMG aus ?
Geringe Mengen wären dann in Zukunft straffrei, sodass die Konsumenten nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden.
Der Besitz von großen Mengen und der Handel wäre weiterhin verboten!
Fabius hat geschrieben:Wie sieht es mit dem Verwaltungsrecht aus ?
Auf die Frage kann ich leider nicht eingehen, weil ich nicht genau weiß, worauf du hinaus willst?
Fabius hat geschrieben:Wenn man keine Ahnung hat einfach mal die Fre............... halten.
Das scheint ein beliebter Satz von dir zu sein, welchen du dir am besten Mal selber zu Herzen nimmst! Du brauchst nicht gleich pöbeln nur weil die Leute hier eine andere Meinung vertreten als du, oder weil dir die Argumente ausgehen!
Elli hat geschrieben:Dabei liegt die große Ungerechtigkeit bei der Prohibition doch nicht bei den harten Drogen, sondern beim
Cannabis, das als weiche bewußtseinerweiternde Droge am schlimmsten unter der Prohibition und Gleichsetzung mit den harten Drogen leidet.
Ich weiß, worauf du hinaus willst, aber da bin ich anderer Meinung! Die Prohibition hat vor allem bei den "harten" Drogen fatale Folgen für die Konsumenten und die Gesellschaft. Was für Konsequenzen erwarten einen Cannabis-Konsumenten im schlimmsten Fall und mit was für Konsequenzen hat ein Heroin-Konsument im schlimmsten Fall zu rechnen? Vergleiche das und du wirst feststellen, dass vor allem bei den "harten" Drogen die Ungerechtigkeit am Schlimmsten ist!

Gesundheitliche Konsequenzen für einen Cannabis-Konsumenten durch die Prohibition:
Schnellere Erkrankungen (Krebs, usw.) durch Streckmittel (Brix, Sand, etc.).
In ganz extremen Fällen kann es durch Streckmittel zu einer Vergiftung kommen (Blei, Schädlingsbekämpfungsmittel, etc.).
Gefährliche Ersatzdrogen, die aus unterschiedlichen Gründen konsumiert werden (Kräutermischungen, Badesalze, etc.).

Gesundheitliche Konsequenzen für einen Heroin-Konsumenten durch die Prohibition:
Schnellere Erkrankungen durch Streckmittel.
Vergiftungen durch Streckmittel, die zum Tode führen können.
Tödliche Überdosierungen, weil die Konsumenten nicht wissen, wie rein der Wirkstoff in Wirklichkeit ist.
Infektionen und Übertragungen von HIV, Hepatitis und weitere schlimme Krankheiten.
Gefährliche Ersatzdrogen, die als Heroin verkauft werden und zum Tode führen, ein Beispiel dafür wäre Croc.
Gefährliche Ersatzdrogen, die bewusst konsumiert werden, um den Cold Turkey zu überstehen, welche auch zum Tode führen können.
............

Gesellschaftliche Konsequenzen für einen Cannabis-Konsumenten durch die Prohibition:
Verlust des Jobs, vor allem in den öffentlichen und städtischen Branchen (Stadt, Polizei, Zoll, Ärzte, Lehrkräfte, Taxifahrer, Busfahrer, Lokführer, Gleisbauer, etc.).
Verlust des Führerscheins, obwohl keine Fahrt unter dem Einfluss von THC stattgefunden hat.
Ein geringer Teil der Gesellschaft nabelt sich von einem Ab, der Großteil geht tolerant mit Cannabis-Konsumenten um.

Gesellschaftliche Konsequenzen für einen Heroin-Konsumenten durch die Prohibition:
Verlust des Jobs, um was für einen Job es sich dabei handelt, dürfte keine Rolle spielen.
Verlust des Führerscheins, obwohl keine Fahrt unter dem Einfluss von Heroin stattgefunden hat.
Beschaffungskriminalität, Raub, Diebstahl, Betrug, Mord, Totschlag, Hehlerei, usw.
Der Großteil der Gesellschaft nabelt sich automatisch von dir ab, du bist dadurch entweder auf dich alleine oder auf Gleichgesinnte angewiesen.
Heroin ist in Deutschland ein Tabu-Thema, was dazu führt, dass Konsumenten die auf Hilfe angewiesen sind, erst sehr spät diese Hilfe in Anspruch nehmen.

Und bevor jetzt jemand meint, dass ich mich schlecht in diese Situation hineinversetzten kann, ich habe eine Cousine die Heroin abhängig ist/war!
Wir hatten vor einigen Jahren zusammen bei ihren Bruder Silvester gefeiert und danach verloren wir uns für 1 - 2 Jahr(e) aus den Augen. Während dieser Zeit lernte sie einen Typen kennen, in dem sie sich verliebte. Der Kerl war/ist Heroin-Dealer und brachte ihr Schore (Shore) näher, es fing mit dem Rauchen von Blech an und endete dann beim Fixen. Er nutzte sie aus und bat sie, für ihn Heroin aus den Niederlanden nach Deutschland zu schmuggeln, dabei wurde sie erwischt und landete im Gefängnis.

Ich traf sie anschließend 1 - 2 Jahre später wider und sie sah wirklich schlimm aus! Sie war total abgemagert, vor allem im Gesicht (Wangenknochen, etc.) und sie hatte schmerzen bei der Nahrungsaufnahme, sie weinte beim Essen und wollte eigentlich nichts zu sich nehmen. Ich versuchte mit ihr über die Probleme zu reden und hätte ihr gerne geholfen, aber sie wollte nicht darauf eingehen und lies zu diesem Zeitpunkt niemanden mehr an sich ran.Ich habe mitbekommen, wie sich die ganze Familie und ihre Freunde von ihr abgenabelt hatten, sodass sie lange Zeit mit ihren Problemen auf sich selber gestellt war. Ihr Kind wurde ihr weggenommen, sie saß häufig im Gefängnis und brachte mehrere Entzüge hinter sich. So wie ich gehört hatte, hat der letzte Entzug anscheinend etwas gebracht und sie befindet sich auf einen guten Weg, endgültig davon loszukommen. Ich bin mir sicher, dass eine kontrollierte Abgabe ihr bestimmt besser geholfen hätte, aus den bereits beschriebenen Gründen.

Nette Grüße
Nordel
"Wer die Wahrheit nicht kennt, ist nur ein Dummkopf. Wer sie aber kennt und sie eine Lüge nennt, ist ein Verbrecher." (Galileo Galilei)
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overturn
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Re: Kiffen dürfen reicht nicht

Beitrag von overturn »

Hallo, groooveman85!
groooveman85 hat geschrieben:
-Heroin zu spritzen ist die logischste und effektivste Konsumform, und bei richtiger Anwendung auch die gesündeste. Insofern wird diese Konsumform auch bei einer Legalisierung nicht aussterben.
Das legale Heroin (Diacetylmorphin) das in Deutschland ausgegeben wird, wird auch gespritzt.
Unbestritten, die Injektion ist definitiv die populärste, im Beispiel von 'Heroin' auch gewiss die effektivste Konsumform. Die logische, und gesündeste Konsumform, denn 'Heroin' war prinzipiell nicht dazu gedacht, gespritzt zu werden, ist meiner Auffassung nach jedoch weiterhin die orale Zufuhr - zumal der Rausch wenig intensiv ist. Dass langjährige 'Problemkonsumenten', die erhebliche Dosen gewohnt sind, nicht auf ein Hustenbonbon zu setzen sind, erscheint mir recht sinnig, bedeutet aber nicht, dass eine Injektion die offensichtliche Konsumform darstellt, die man im Falle von 'Heroin' befolgen sollte. In erster Linie, steigen die Konsumenten aus Kostengründen, oder extremer Verunreinigung des Endprodukts, auf direktere Konsumformen um. In diesem Rahmen, kann man auch tatsächlich von einer gewissen Logik sprechen - wir befinden uns aber innerhalb der Spielregeln des Schwarzmarktes. "Aussterben" war sicherlich überspitzt formuliert, stark rückläufig halte ich jedoch für durchaus realistisch.

Weitere Anmerkung: Ich bin mir zwar nicht sicher, kann mir aber vorstellen, dass auch in Deutschland, wie bereits bei den Programmen in der Schweiz, Konsumenten mit Phlebosklerose, bei denen hierdurch keine Injektion möglich ist, ersatzweise, eine relativ hohe, orale Dosis Diacetylmorphin bekommen...?

Grüße!
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Re: Kiffen dürfen reicht nicht

Beitrag von CosmicWizard »

Nordel hat nun wohl wirklich alles gesagt. Wer sich diesen stichhaltigen, rationalen Argumenten immer noch verwehrt ist schlichtweg genauso ideologisch verblendet wie die vielgehassten Prohibitionisten.
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Gerd50
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Re: Kiffen dürfen reicht nicht

Beitrag von Gerd50 »

Mich stört in dem Beitrag von Nordel ein Satz:

Code: Alles auswählen

Süchtige könnten im Krankenhaus legal ihre Dosis beziehen...
und in diesem Satz das Wort 'Süchtige'.

ralf-klaro hat es in diesem Thread thematisiert:

http://hanfverband.de/forum/viewtopic.php?f=12&t=587

Könnten wir uns in Zukunft bitte auf das Wort 'Abhängigkeitserkrankte' einigen? 'Süchtige' ist im allgemeinen Sprachgebrauch ein
stigmatisierendes Wort und sollte nicht verwendet werden, um Ausgrenzungen, wie Nordel sie schilderte, zu vermeiden.
'Abhängigkeitserkrankte' hingegen weist auf die Hilfsbedürftigkeit betroffener Menschen hin ;)
Ich glaube an alles. Außer an Menschen.
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Re: Kiffen dürfen reicht nicht

Beitrag von Nordel »

Gerd50 hat geschrieben:Mich stört in dem Beitrag von Nordel ein Satz:

Code: Alles auswählen

Süchtige könnten im Krankenhaus legal ihre Dosis beziehen...
und in diesem Satz das Wort 'Süchtige'.

ralf-klaro hat es in diesem Thread thematisiert:

http://hanfverband.de/forum/viewtopic.php?f=12&t=587

Könnten wir uns in Zukunft bitte auf das Wort 'Abhängigkeitserkrankte' einigen? 'Süchtige' ist im allgemeinen Sprachgebrauch ein
stigmatisierendes Wort und sollte nicht verwendet werden, um Ausgrenzungen, wie Nordel sie schilderte, zu vermeiden.
'Abhängigkeitserkrankte' hingegen weist auf die Hilfsbedürftigkeit betroffener Menschen hin ;)
Hallo Gerd50,

ich muss dir da schon recht geben und werde es editieren! Manche Begriffe haben sich leider nach etlichen Jahren festgesetzt, mir ist beim Verfassen gar nicht aufgefallen, dass dieses Wort von der Allgemeinheit als abwertend aufgefasst wird. Für mich persönlich ist es kein abwertendes Wort, es beschreibt den Zustand einer Person ziemlich deutlich. Das Problem ist also nicht das Wort, sondern dass die Gesellschaft es falsch interpretiert und etwas Schlechtes bzw. Asoziales damit verbindet. Ganz nach dem Motto "Von süchtigen musst du dich fernhalten!" Oft sind diese Leute selber nach etwas süchtig und bemerken es gar nicht, schließlich hat Sucht nicht ausschließlich etwas mit Drogen zu tun. Eine richtige Leseratte ist ja schließlich auch irgendwie von einer Sucht betroffen. Ein großer Teil ist heutzutage süchtig nach dem Internet bzw. dem Computer, sind wir doch mal ehrlich, wer könnte denn für immer auf das Internet verzichten, wenn er einmal in den Genuss davon gekommen ist? ;)

Im Bereich Medien, Computer und Internet sind vor allem jüngere Leute von einer Sucht betroffen, man kann dem ja auch gar nicht mehr aus dem Weg gehen! Spätestens im Berufsleben oder Studentenleben wird von einem erwartet, dass man sozusagen rund um die Uhr erreichbar ist (Handy, Festnetz, Fax, E-Mail, etc.). Sucht ist also eigentlich kein abwertendes Wort, wird aber leider von der Allgemeinheit so interpretiert, es ist traurig, dass Wörter durch falsche Interpretation ihre Bedeutung verlieren.

Hier noch so ein Beispiel:
Einige werden sich ganz bestimmt noch an die letzte EM erinnern und JA, ich bin mir der Tatsache bewusst, dass ich hier bei einigen Leuten alte Wunden aufreiße. :P
Die Menge jubelte bei einigen Spielen mit "SIEG" "SIEG" "SIEG" rufen. In der Bundesliga absolut nichts Besonderes, im Endeffekt drückt dieses Wort ja auch nur den (wahrscheinlichen) Ausgang des Wettstreits aus.
Es hat jedenfalls nicht lange gedauert, bis einige aus den eigenen Reihen damit anfingen, das Wort auf die Goldwaage zu legen. Worauf das hinausgelaufen ist, brauche ich denke ich nicht genauer erklären.
Ich finde es einfach traurig, dass wir uns selber die Möglichkeit nehmen, uns vernünftig auszudrücken, aufgrund einer falschen Auslegung eines Wortes.

Aber das ist ein anderes Thema und es ging schon etwas ins OT. Auf jeden Fall gebe ich dir recht, dass dieses Wort momentan von der Gesellschaft als etwas Negatives aufgefasst wird und aus diesem Grund ändere ich es.

Nette Grüße
Nordel
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Fabius
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Re: Kiffen dürfen reicht nicht

Beitrag von Fabius »

Also was ich hier lese fasse ich einfach nicht und zeugt von wenig Kenntniss. Mir fehlen auch teilweise die Worte. Jetzt sollen die Heroin Konsumenten auch noch Ihrenn Führerschein behalten dürfen. Also das geht deutlich zu weit. Das einem Cannabis Konsumenten die Fahrerlaubnis entzogen wird obwohl er nicht berauscht am Steuer gesetzt hat, das ist ein Skandal und für den Cannabis Konsumenten ein Absturz bis ins Jenseits. Je nachdem wie er auf seinen Führerschein angewiesen ist. Es gibt immer noch keine Grenzwerte, obwohl die DRUID Studie seit Monaten abgeschlossen ist.

Wer mit Heroin, Kokain, Amphetamine usw. zu tun hat dem ist die Fe zu entziehen. Das ist einfach gerechtfertigt. Ich möchte nicht das ein Konsument harter Drogen eine Gefahr für andere und sich selber wird. Verantwortung hat in dem Forum wohl nichts mehr zu suchen. Es geht mir einfach um die Cannabiskonsumenten, das endlich damit aufgehört wird Ihn jedesmal als Buhmann darzustellen, nur weil er kifft. Die Cannabiskonsumenten stehen meistens Mitten im Leben und sorgen für sich selbst. Durch diese ganze verfolgung wird der Cannabiskonsument in die Ecke gedrängt und je nachdem werden Leben zerstört. Der Heroin Konsument hat ganz andere Probleme und hat genügend Anlaufstellen um sich helfen zu lassen. Ich habe einfach keinen Mitleid gegenüber den Heroinkonsumenten. Die haben sich das selber ausgesucht. Genauso wie der Alkoholiker.

Ich bin ein sozialer Verantwortungsvoller Mensch und respektiere die Meinung anderer. Trotzdem werde ich nie für die freie Abgabe von Heroin sein, weil ich weiß wie die Leute darauf Abkacken egal ob Rein oder gestreckt. Alles andere ist unverantwortlich. Ich wollte auch hier keinen zu nahe treten, es ist eher eine Warnung von einem sehr erfahrenen Konsumenten.

So mir reichts jetzt. Verstehen wollt Ihr das eh nicht.
„Je tiefer man in die lebendige Natur hineinsieht, desto wunderbarer erkennt man sie. Ich glaube, man fühlt sich dann auch geborgen.“
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Re: Kiffen dürfen reicht nicht

Beitrag von Elli »

@ Nordel

Wie würdest du den Erstkontakt mit Heroin und Koks handhaben? Kann der Gesetzgeber den Erstkontakt verantworten?
Würde jeder den Stoff bekommen? Wer ja, wer nein? Wenn es nur erst bei Abhängigen Stoff geben würde, dann würde sich das Problem des Schwarzmarkts doch nicht lösen?
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Re: Kiffen dürfen reicht nicht

Beitrag von Thomas »

Ich verstehe das genau so wie im übertragenen Sinne bei Voltarenschmerztabletten. Illegal sind sie nicht aber ab einer gewissen Dosierung nur auf Rezept.
Genau weil ab einer gewissen Dosis dies unter Aufsicht eines Arztes geschehen soll und nicht per Selbstmedikation (Rez.freie Version muss nur doppelt dosiert werden und ist das selbe wie die Rez.pflichtigen, also im Prinzip Anwendung auf eigens Risiko). Bei Heroin wird es dies wohl dann nur auf Rezept geben und nicht für jeden der mal eben versuchen will.

Rein meine Interpretation
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bushdoctor
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Re: Kiffen dürfen reicht nicht

Beitrag von bushdoctor »

Fabius hat geschrieben:Jetzt sollen die Heroin Konsumenten auch noch Ihrenn Führerschein behalten dürfen. Also das geht deutlich zu weit. Das einem Cannabis Konsumenten die Fahrerlaubnis entzogen wird obwohl er nicht berauscht am Steuer gesetzt hat, das ist ein Skandal
Was bitteschön unterscheidet einen Heroin-Konsumenten, der nicht berauscht am Verkerhr teilgenommen hat, von einem Cannabis-Konsumenten, der nicht berauscht am Verkehr teilgenommen hat?

Die Droge?

Und da wären wir wieder: Deiner Meinung nach gibt es "gute" und "böse" Drogen...

Eine vernünftige Drogenpolitik muss weg von diesem Ansatz!
Fabius hat geschrieben: Wer mit Heroin, Kokain, Amphetamine usw. zu tun hat dem ist die Fe zu entziehen. Das ist einfach gerechtfertigt. Ich möchte nicht das ein Konsument harter Drogen eine Gefahr für andere und sich selber wird. Verantwortung hat in dem Forum wohl nichts mehr zu suchen.
Ich glaube, Fabius, Du kannst es immer noch nicht vorstellen, dass es Menschen auf diesem Planeten gibt, die von sich behaupten, dass sie Heroin kontrolliert konsumieren können. Gemäß kantscher Logik bedeutet das aber auch, dass Deine Argumentation bezüglich Cannabis auch ins Leere laufen wird, da DIR auch kein CDU-Politiker glauben wird, dass kontrollierter Cannabis-Konsum möglich ist.

Was hier zählt sind "wissenschaftliche Fakten" und da sieht es halt nunmal so aus, dass Heroin sich nicht besonders von anderen psychotropen Substanzen unterscheidet. Es gibt wirklich Menschen, die durchaus auch regelmäßig Heroin konsumieren ohne gleich "am Bahnhof Zoo" zu landen...
Fabius hat geschrieben: Ich bin ein sozialer Verantwortungsvoller Mensch und respektiere die Meinung anderer. Trotzdem werde ich nie für die freie Abgabe von Heroin sein, weil ich weiß wie die Leute darauf Abkacken egal ob Rein oder gestreckt. Alles andere ist unverantwortlich. Ich wollte auch hier keinen zu nahe treten, es ist eher eine Warnung von einem sehr erfahrenen Konsumenten.
Deine Argumentation, Fabius, ähnelt doch SEHR STARK denen der Cannabis-Gegner... Mir ist das zu viel "aus dem Bauch heraus" argumentiert.
Zumindest auf eines können wir uns aber doch alle einigen, oder:

Jemand, der - egal welche! - Substanzen konsumiert ist vielleicht doof, aber ganz sicher kein Krimineller!


Um hier aber einen neuen Aspekt einzubringen in diese (Substanz-)Diskussion:
Was macht eine "vernünftige" Gesellschaft mit den Drogen Koffein, Glutamat und Zucker? Spätestens hier wird´s abenteuerlich, wenn man anfängt regulieren zu wollen!

Es kommt noch besser: Fast alle Substanzen, die wir täglich zu uns nehmen sind mehr oder weniger psychotrop! Fett und Kohlehydrate (Zucker!) greifen sogar recht stark in den Hirnstoffwechsel ein. Ja, die meisten fühlen sich gut (high), wenn sie was lekkeres gegessen haben. Glutamat ist sogar m.E. Teufelszeug und müsste verboten werden!

Nach allem, was ich bisher herausgefunden habe, sind die einzigen Substanzen, ohne "Drogenwirkung": Wasser und Proteine, wobei ich bei den Eiweißen noch nicht sicher bin...

...wollte das nur mal angebracht haben ;)
Radulf
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Re: Kiffen dürfen reicht nicht

Beitrag von Radulf »

Ein interessanter Spiegel-Artikel zur Geschichte von Heroin:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-16748368.html

Ist schon etwas älter, aber hier wird deutlich, woher das Teufelsdrogen-Image von Heroin stammt.

In diesem Artikel wird außerdem sichtbar, wie stark die Auswirkungen einer bestimmten Droge von Ihrem legalen Status abhängig sein können. Mit der Prohibition verbreitete sich das Elend der Heroinabhängigen.

Total interessant scheint auch das Werk von Michael de Ridder zu sein:
Heroin: Vom Arzneimittel zur Droge
Nordel
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Re: Kiffen dürfen reicht nicht

Beitrag von Nordel »

Fabius hat geschrieben:Also was ich hier lese fasse ich einfach nicht und zeugt von wenig Kenntniss.
Hallo Fabius,

warum kannst ausgerechnet du beurteilen, wer hier gut über das Thema informiert ist und wer nicht? Ich finde es ehrlich gesagt ganz schön überheblich, anderen so etwas vorzuwerfen, ohne selber einen Vorschlag zu unterbreiten, wie man die Probleme bei den "harten" Drogen in den Griff kriegen könnte. Willst du alles so belassen, wie es ist? Hast du wirkungsvollere Alternativen, die du mir hier beschreiben kannst? Im Endeffekt geht es mir nur darum, die Konsumenten vor den Gefahren des Schwarzmarktes zu schützen, kriminelle Strukturen zu unterbinden und den Konsumenten so früh wie möglich eine Art Vertrauensperson zur Verfügung zu stellen. Wie wäre es denn, wenn du selber etwas vorschlägst, um die Probleme in Zukunft zu beseitigen? Kritisieren ist immer eine leichte Aufgabe.
Fabius hat geschrieben:Mir fehlen auch teilweise die Worte. Jetzt sollen die Heroin Konsumenten auch noch Ihrenn Führerschein behalten dürfen. Also das geht deutlich zu weit. Das einem Cannabis Konsumenten die Fahrerlaubnis entzogen wird obwohl er nicht berauscht am Steuer gesetzt hat, das ist ein Skandal und für den Cannabis Konsumenten ein Absturz bis ins Jenseits. Je nachdem wie er auf seinen Führerschein angewiesen ist. Es gibt immer noch keine Grenzwerte, obwohl die DRUID Studie seit Monaten abgeschlossen ist.Wer mit Heroin, Kokain, Amphetamine usw. zu tun hat dem ist die Fe zu entziehen. Das ist einfach gerechtfertigt. Ich möchte nicht das ein Konsument harter Drogen eine Gefahr für andere und sich selber wird. Verantwortung hat in dem Forum wohl nichts mehr zu suchen.
Jetzt musst du mir mal erklären, warum ein Konsument von "harten" Drogen weniger auf seinen Führerschein angewiesen sein soll, als ein Cannabis-Konsument? Denkst du etwa ernsthaft, dass es z.B. keine Kokain-Konsumenten in unserer Welt gibt, die total erfolgreich sind und mitten im Leben stehen? Grade bei den stressigen Jobs, wo du einen 15-Stunden-Tag hast und nur für deine Arbeit lebst, werden gerne solche Mittelchen eingenommen. Warum sollten diese Leute nun weniger auf ihren Führerschein angewiesen sein, als ein Cannabis-Konsument? Das ist nicht gerechtfertigt, das ist absolute Willkür und mit meinen Ansichten von Gerechtigkeit nicht zu vereinbaren! Bevor du da jetzt was Falsches hereininterpretierst, ich rede hier nicht von Fahrten unter dem Einfluss von Drogen, ich rede von Fahrten bei klarem Bewusstsein! Falls jemand aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr dazu in der Lage ist, einen Pkw zu fahren, dann gehört ihm die Fahrerlaubnis entzogen, dem stimme ich vollkommen zu. Aber nur weil jemand ab und zu im Monat Kokain konsumiert, ist es für mich noch kein ausreichender Grund, um ihm die Fahrerlaubnis abzuerkennen!
Fabius hat geschrieben:Es geht mir einfach um die Cannabiskonsumenten, das endlich damit aufgehört wird Ihn jedesmal als Buhmann darzustellen, nur weil er kifft. Die Cannabiskonsumenten stehen meistens Mitten im Leben und sorgen für sich selbst. Durch diese ganze verfolgung wird der Cannabiskonsument in die Ecke gedrängt und je nachdem werden Leben zerstört.
In diesem Thread geht es aber nicht "ausschließlich" um Cannabis-Konsumenten, zumindest bin ich dieser Auffassung. Es geht hier doch viel mehr um die Frage, ob eine legale Abgabe bei den restlichen illegalen Drogen humaner und effektiver wäre. Um das zu klären, müsste man aber erst einmal erwähnen, was man überhaupt unter einer legalen Abgabe versteht (Apotheke, Krankenhaus, Rezept, etc.). Erst wenn man da etwas ins Detail geht, kann man auch darauf eingehen. Dass was ich da oben vorgeschlagen habe, war jetzt einfach nur mal ein Grundgedanke, das sollte keine Dissertation werden! Im Großen und Ganzen bin ich aber für eine kontrollierte Abgabe aller Drogen, weil ich darin mehr Vorteile als Nachteile sehe. Wie wir das anstellen können, darüber müsste man sich mal den Kopf zerbrechen, anstatt immer gleich wie ein HB-Männchen hochzugehen :P
Fabius hat geschrieben:Der Heroin Konsument hat ganz andere Probleme und hat genügend Anlaufstellen um sich helfen zu lassen.
Natürlich gibt es Anlaufstellen für Heroin-Konsumenten, es gibt für so gut wie alle Drogen Anlaufstellen, aber das löst die grundlegenden Probleme nicht einmal im Entferntesten! Ich nenne jetzt nur mal zwei Beispiele, wie willst du die Konsumenten durch die aktuellen Anlaufstellen vom Schwarzmarkt wegkriegen? Wie willst du durch die aktuellen Anlaufstellen die Prostitution und die Beschaffungskriminalität senken? Warum lässt man die Probleme erst entstehen, wenn man die doch bereits im Keim ersticken könnte?
Fabius hat geschrieben:Ich habe einfach keinen Mitleid gegenüber den Heroinkonsumenten. Die haben sich das selber ausgesucht. Genauso wie der Alkoholiker.
Deiner Logik zufolge haben Cannabis-Konsumenten sich ihre Situation auch selber ausgesucht, denn Cannabis-Konsumenten wissen ebenfalls, worauf sie sich momentan einlassen (Führerschein, Streckmittel, Straßenhandel, etc.).
Fabius hat geschrieben:Ich bin ein sozialer Verantwortungsvoller Mensch und respektiere die Meinung anderer. Trotzdem werde ich nie für die freie Abgabe von Heroin sein, weil ich weiß wie die Leute darauf Abkacken egal ob Rein oder gestreckt. Alles andere ist unverantwortlich. Ich wollte auch hier keinen zu nahe treten, es ist eher eine Warnung von einem sehr erfahrenen Konsumenten.
Das mag ja stimmen und ich will dich auch gar nicht beeinflussen, ich bin da aber eben anderer Auffassung. Für mich wäre es unverantwortlich an unserem aktuellen System nichts verbessern zu wollen, denn auf mich wirkt es keineswegs effektiv. Ich wüsste auch keinen plausiblen Grund, warum man daran nichts verbessern sollte? Schließlich ist es ja nicht so, dass wir hier in Deutschland eine menschenwürdige und effektive Drogenpolitik hätten. Für mich macht eine kontrollierte und legale Abgabe einfach mehr Sinn, als unser jetziges Vorgehen.
Elli hat geschrieben:Wie würdest du den Erstkontakt mit Heroin und Koks handhaben? Kann der Gesetzgeber den Erstkontakt verantworten?
Würde jeder den Stoff bekommen? Wer ja, wer nein?
Hallo Elli,

wenn ich es selber zu bestimmten hätte, würde ich erst einmal kleine Schritte gehen. Mich mit "vernünftigen" Sachverständigen auseinandersetzen und mit denen eine Strategie ausarbeiten, die Abhängigen einen legalen und kontrollierten Zugang zu ihrer Substanz ermöglicht. Mir persönlich fallen da Krankenhäuser ein, oder eben Apotheken (auf Rezept). Man könnte auch neue Institutionen dafür errichten. Anschließend würde ich geringe Mengen erlauben, sodass Konsumenten nicht für den Besitz strafrechtlich verfolgt werden. Der Besitz großer Mengen, als auch der private Handel, wäre weiterhin verboten. Ein Erstkontakt wäre bei dieser Herangehensweise nur über dem Schwarzmarkt möglich, was aber nicht bedeutet, dass der Schwarzmarkt dadurch keine Umsatzeinbuße hätte!
Elli hat geschrieben:Wenn es nur erst bei Abhängigen Stoff geben würde, dann würde sich das Problem des Schwarzmarkts doch nicht lösen?
Es würde sich nicht komplett lösen, da hast du recht. Neue Konsumenten wären dazu gezwungen, ihren ersten Kontakt auf dem Schwarzmarkt herzustellen. Man würde dem Schwarzmarkt aber sozusagen die Stammkunden entziehen und die Stammkunden der Zukunft. Schließlich würde jeder Konsument früher oder später auf die legalen Ausweichmöglichkeiten zugreifen, zumindest erhoffe ich mir das!

Eine andere Möglichkeit wäre so ähnlich wie die Erste, nur dass wir hier auch den Erstkontakt sicherstellen und sozusagen den Schwarzmarkt komplett abnabeln. Ich bin der Meinung, dass jeder ab einem gewissen Alter selber entscheiden sollte, ob er eine Droge konsumieren möchte oder nicht. Falls sich jemand dazu entschließt, eine Droge zu testen, ist es für meine Begriffe doch besser, wenn er da professionelle Ansprechpartner hat, als irgendwelche Straßendealer. Es ist ja nicht so, dass ich mich freuen würde, wenn eines Tages mein Kind mit 21 auf mich zukommt und mir gesteht, dass es Heroin konsumiert. Da gibt es sicherlich schönere Nachrichten, aber trotzdem muss man sich ja der Situation irgendwie annehmen und da ist es mir doch lieber, wenn mein Kind seriöse und legale Bezugsmöglichkeiten vorfindet, wo eben auch die Substanzen kontrolliert werden, etc.

Unser aktuelles System ist für mich jedenfalls keine Lösung, es entstehen dadurch mehr Probleme als gelöst werden und das kann ja nicht der Sinn der Sache sein! Ich habe die Weisheit auch nicht mit dem Löffel gefressen und was ich hier schreibe, ist meine persönliche Meinung. Mir ist hier im Thread einfach nur aufgefallen, dass sich sozusagen zwei Parteien über eine Legalisierung aller Drogen unterhalten, aber wenig darauf eingegangen wurde, wie diese Legalisierung überhaupt aussehen soll? Es kommt doch schließlich auch darauf an, wie so etwas umgesetzt werden soll. Nur weil ich für eine Legalisierung bin, bedeutet das nicht, dass ich alle Formen einer Legalisierung befürworte. Es gibt auch Formen einer Legalisierung, die ich nicht unterstützen würde! Dazu zählt für mich eine Freigabe ohne Altersbegrenzung sowie der Verkauf in allen erdenklichen Geschäften (Kiosk, Supermarkt, Drogeriemarkt, usw.). Ich bin also weiterhin für eine Legalisierung, aber mir ist auch wichtig, wie so etwas durchgeführt wird!

Nette Grüße
Nordel
"Wer die Wahrheit nicht kennt, ist nur ein Dummkopf. Wer sie aber kennt und sie eine Lüge nennt, ist ein Verbrecher." (Galileo Galilei)
thatssoooweird
Beiträge: 242
Registriert: Mo 16. Apr 2012, 15:48

Re: Kiffen dürfen reicht nicht

Beitrag von thatssoooweird »

OT: @thatsoooweird, wenn du längere Beiträge schreibst, denk dran zwischen zu speichern, bevor du den Absenden Knopf
betätigst. Die kritische Grenze beträgt eine Stunde, schreibt man länger und vergisst den Zwischenspeicher, war die Mühe
leider fürs Nirvana ;)
Wie gesagt, das ist mir jetzt schon aufgefallen...schade, dass man dieses (Sicherheits-?)Feature nicht ausstellen kann als User, ich wäre eigentlich gerne die ganze Session über eingeloggt. Nunja, Texteditor und Copy&Paste ist auch ok.

Ansonsten brauche ich gar nicht mehr groß auf Fabius' und Ellis Beiträge einzugehen, weil das netterweise die anderen schon sehr ausführlich getan haben.

Noch ein paar Anmerkungen:

1) Vielleicht sollte man noch dazu sagen, dass es bereits eine Heroinabgabe an Schwerstabhängige (mind. 23 Jahre alt, 2 erfolglose Therapien, seit mind. 5 Jahren opiatabhängig) in Deutschland gibt, mit der anscheinend sehr gute Erfahrungen gemacht wurden.
http://www.ka-news.de/region/karlsruhe/ ... 066,209318

2)
Ich habe einfach keinen Mitleid gegenüber den Heroinkonsumenten. Die haben sich das selber ausgesucht. Genauso wie der Alkoholiker.
Ich habe mir meinen Cannabiskonsum übrigens auch selbst ausgesucht. Die blöden Streckmittel und die Strafverfolgung nicht. Und? Wird der Heroinkonsument auch sagen, nur hat für den die Illegalität noch viel schlimmere Folgen.
Radulf
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Registriert: So 4. Mär 2012, 12:49

Re: Kiffen dürfen reicht nicht

Beitrag von Radulf »

Wir haben das ja teilweise im Dyckmanns-absetzen-Thread schon diskutiert.

Interessant finde ich noch, dass der körperliche und seelische Verfall und die soziale Verelendung bei Heroin-Abhängigen überwiegend durch die Kriminalisierung verursacht wird, während die Schäden der Alkohol-Abhängigen überwiegend durch die Wirkung der Droge selbst verursacht werden.

Heroin scheint besser verträglich zu sein als Alkohol. Ein Teil der Substituierten arbeitet oder macht eine Ausbildung. Das wäre mit Alkohol in vergleichbarer Dosis kaum möglich.

Entspricht auch meiner Erfahrung. Die meisten Heroin-Konsumenten die ich kennen gelernt habe, waren anscheinend in der Lage Ihren Alltag inklusive Beschaffung deutlich besser zu meistern als vergleichbare Alkoholiker.

Ich war auch oft erstaunt, wie schnell sich jemand von einem Heroin-Entzug erholen kann. Bei Medikamenten- und Alkohol-Abhängigen sieht's oft anders aus. Ein hoher Anteil ehemaliger Medikamenten-Abhängiger leidet noch Jahre nach dem Entzug an Angstzuständen, Schmerzen, Schlafstörungen oder ähnlichen Spätfolgen. Lässt sich natürlich nicht verallgemeinern.

Ich meine man sollte Heroin behandeln wie andere Medikamente auch. Je nach Indikation und persönlicher Verträglichkeit wäre Heroin in vielen Fällen das beste Medikament.

Cannabis und Heroin haben zwar nicht viel gemeinsam, aber der gesellschaftliche Umgang damit ist vergleichbar. In beiden Fällen wird durch das Schüren von Vorurteilen und irrationalen Befürchtungen eine vernünftige Regulierung verhindert und die Betroffenen Konsumenten, Patienten und Abhängige werden großen Belastungen ausgesetzt und schwer geschädigt.
MaximilianPlenert
Beiträge: 513
Registriert: Mi 8. Feb 2012, 15:26

Re: Kiffen dürfen reicht nicht

Beitrag von MaximilianPlenert »

zu diesem thema ein alter artikel von mir:

Vernünftige Drogenpolitik - Mehr als Cannabislegalisierung

Eine Denkschrift von Max Plenert
Betrachtet Mensch die Vorschläge progressiver DrogenpolitikerInnen aus Parteien und Jugendorganisationen, so steht Cannabis meist im Mittelpunkt, manchmal ergänzt um Forderungen wie Drug-Checking bei Partydrogen, Heroinabgabe zusammen mit Fixerstuben und gelegentlich Werbeverbote für Alkohol und Tabak.

Hierbei sind die Forderungen im Bereich Cannabis vorsichtig (“Entkriminalisierung von KonsumentInnen”) über recht neutral (“Gleichstellung mit Tabak und Alkohol”) bis aggressiv (“Hanf für alle”, “Bekifft ficken”).

Die Themen Partydrogen und körperlich Abhängige werden in den Organisationen nur rudimentär, regional oder von kleinen Kreisen vertreten. Gerade beim letzten Thema gibt es sehr verschiedene Ansätze von pathologisch-entmündigend über sozial-pychologisch bis zu akzeptierend.

Vernünftige Gesamtbetrachtungen der Drogenpolitik, wie sie gelegentlich bei der GRÜNEN JUGEND oder anderen, meist kleinen, nicht für die Gesamtorganisation repräsentativen Gruppen auftauchen, sind die Ausnahme. Auch die mehr oder weniger progressiven Vorstellungen, die offiziell in Partei- oder Grundsatzprogrammen vertreten werden, sind weder in den Verbänden durchgehend Konsens noch werden sie von den offiziellen VertreterInnen auch ausreichend ernst genommen. Oft genug werden konträre oder nur stark eingeschränkte Vorstellungen vertreten.

Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob eine Cannabisreform nur aufgrund von Populismus, Wahlkampf, persönlichen Interessen oder Klientelbefriedigung angestrebt wird oder die Legalisierung von Cannabis als erster und umsetzbarer Schritt in einer umfangreichen Reform der Drogenpolitik hin zu vollkommen anderen gesehen wird.

Besonders bemerkbar macht sich dieser Unterschied in Einteilungen von Drogen in weiche bzw. gute und harte bzw. böse Drogen oder pflanzliche bzw. gute und angeblich chemische bzw. böse Drogen. Diese Einteilung ist veraltet und beschränkt eine progressive Drogenpolitik auf eine Cannabislegalisierung und die Freigabe von pflanzlichen Drogen wie Pilze oder Khat, Reformschritte für andere Konsumenten zum Beispiel im Bereich Ecstasy oder Heroin werden stellenweise ebenso verteufelt wie von repressiven Politikern.

Es ist fatal, wenn Drogenpolitik nur auf reinen Hanf-Lobbyismus beschränkt wird und in der Öffentlichkeit nicht das Stichwort “Vernünftige Drogenpolitik” im Mittelpunkt steht. Auch wenn eine vernünftige Drogenpolitik die Cannabislegalisierung als einen unter mehreren ersten Schritte sieht, müssen diese Schritte doch in einen liberalen, akzeptierenden Gesamtansatz eingebettet werden. Dieser vernünftigen, ganzheitlichen Drogenpolitik liegen die Grundprinzipien Selbstbestimmung, Subsidiarität, Sachinformation, Akzeptanz statt Abstinenz, Ambivalenz aller Drogen und die Abkehr von Drogenprävention durch Abschreckung und der Pathologisierung von Drogenkonsum zugrunde.

Hieraus lassen sich die konkreten Forderungen wie Entkriminalisierung aller Konsumenten und die Abgabe von Drogen in Drogenfachgeschäfte unter Berücksichtigung von entsprechenden Schutzbestimmungen ableiten. Maßgeblich ist der zaghaft eingeleitete Paradigmenwechsel bei Prävention und Therapie. Die veralteten Thesen der Konsum von (illegalen) Drogen sei weder steuerbar noch kontrollierbar und Folgerungen à la "Drogen haben Macht", müssen ersetzt werden durch das Leitbild eines mündigen Drogengebrauches. Substanzkunde, Safer Use Strategien und substanzunabhängige Kompetenzen des Risikomanagements stellen zentrale Elemente dieses neuen Weges dar.

Hilfe für bei z.B. abhängigen (zwanghaften) Konsumformen muß möglichst frühzeitig und unbürokratisch angeboten werden. Eine Therapie sollte heute keine Einbahnstraße in Richtung Abstinenz darstellen, sondern kann durchaus den kontrollierten Umgang mit psychoaktiven Substanzen zum Ziel haben. Abstinenzempfehlungen sind nur legitim, wenn sie wirklich helfen Probleme zu reduzieren.

Dies sollten sich nicht nur progressive Drogenpolitiker stets vergegenwärtigen.



Als Zwischenüberschrift - Zitat: "Kiffen macht spießig" - Jungdemokraten


Autor:
Max Plenert, 20, Physikstudent, ist Drogenpolitiker aus dem Kreis Bergstraße / Südhessen und Leiter des AK Drogen der Grünen Jugend Hessen. Des weiteren ist er in der Kommunal- und Energiepolitik aktiv.

Coautor:
Tibor Harrach, 38, Pharmazeut, Landesarbeitsgemeinschaft Drogenpolitik von Bündnis 90/Die Grüne Berlin, Sprecher des SONICS-Netzwerks für Kommunikation, Partykultur und Gesundheitsförderung, Anmelder der Hanfparade in Berlin.
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Aleã
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Re: Kiffen dürfen reicht nicht

Beitrag von Aleã »

Elli hat geschrieben: Wie würdest du den Erstkontakt mit Heroin und Koks handhaben? Kann der Gesetzgeber den Erstkontakt verantworten?
Würde jeder den Stoff bekommen? Wer ja, wer nein?
So wie man es bei allen anderen Opiaten auch macht: per Arzt mit Absprache! (Tilidin geht ja scheinbar sehr leicht...)
Obwohl eine Legalisierung "dieser Art von Drogen" müsste man vielleicht ein bisschen einschränken: Vielleicht durch eine Art "Drogenführerschein" und Prüfungen um zu Beweisen, dass man mit Drogen jeglicher Art gut umgehen kann. - Das wäre so meine Idee. :geek:

Aber auch ein völlig freier Zugang wäre auch nicht so das große Problem:
Die, die Drogen strikt ablehnen nehmen sowieso nie welche! - Die, die Drogen haben wollen kommen sowieso immer dran...
In anderen Ländern gibt es jeden Morgen eine Tasse Coca-Tee, bei uns trinkt man jeden Morgen ein Bier...
...da spielt das wohl dann auch keine Rolle mehr und schlimmer geht es sowieso wohl kaum. :roll:

Übrigens war dieses zu und vor den Zeiten des Opiatgesetzes tasächlich so der Fall gewesen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass zu Zeiten Kaiser Wilhelms irgendwer Drogen dämonisiert hat.

Achja: Jeder (auch unter 18 Jährige mit Überredungskunst) kann zu Zigaretten greifen, warum tut es nicht jeder gleich? Da liegt doch kein Nervengift an der Theke... ^^
Dr. Bob hat geschrieben:Es wird wohl Jahrzehnte dauern eine Entdämonisierung und Deeskalation, in der "großen Volksseele" zu bewirken. Das Dilemma ist ja, das heutzutage im täglichen (medialen, politischen und wirtschaftlichen) Business ständig an neuen Feindbildern gearbeitet und gefeilt wird und ständig Dämonisierungen stattfinden, gefestigt und vertieft werden. Das ist ein dynamischer Prozess auf vielen Ebenen.
*hust* Zombiedr... *hust*

Aber es ist auch eine ziemliche Zerfledderei, was man überhaupt mit den Begriffen hier in der deutschen Sprache gemacht hat: Mit Droge ist nun IMMER was Schlechtes gemeint (= Rauschgift, aber damit ist wiederum kein Rauschgift wie Engelstrompete, Tollkirsche, Eibe gemeint - sondern LSD, Speed, Crack etc. - doppelte Wortmanipulation!). Es hat nichts mehr mit Pflanzen zu tun, nichts mehr mit der Definition der WHO, einfach nur ein "schmutziges Wort" obwohl es gar keines war und ist.

In anderen Sprachen werden ja noch von "drugs" geredet (drugs as medicine, drug store, etc.) , hier bliebe nur noch das Wort 'Drogerie' übrig, ohne dafür schlechte Gewissensbisse zu kassieren wenn man es sagt.
Nur noch in Apothekerkreisen könnte man vielleicht in Ruhe das Wort Droge benutzen, vielleicht sogar unter Homöopathen, wer weiß... :roll:
Wie kann man diese Dämonisierung (der Substanzen und Pflanzen und der Menschen, die damit umgehen), nicht nur stoppen, sondern eine Umkehrung und Versöhnung - und wenn nicht eine "Heilung", - so doch eine "Linderung" herbeiführen?
Mehr Chemie in der Schule. Stichwort: Synthese von pflanzlichen Drogen aus Pflanzen und Substanzen aus der Umgebung. Gefahren, Nutzen, Wirkung auf Gegenstände und Organismen, etc.
Mehr Geschichte/Politik in der Schule. Naturrohstoffe wie Hanf, Wolle etc. Beispiel Verbotspolitik usw.
Stattdessen gibt es immer mehr Fokus auf Hauptfächer, aber die sollen angeblich ja "besonders schlau" im Leben machen... Ja das Thema ist Groß, da kommt die Schule bzw. jede Bildungsstätte (als Handelsort sowieso...) nicht vorbei.
Vielleicht brauchen wir dazu neue und unbelastete (oder "positiv belegte") Begrifflichkeiten, ohne irgendwelche (auch unterschwelligen) Ausgrenzungen?
Paradoxerweise hat dieses sich bereits in "Drogenkreisen" so teilweise etabliert. Z.B. das Wort 'Trip' oder 'Tripbericht' . Unter 'Trips' versteht man dort heute nicht nur LSD und Psychedelika-Trips. Sondern ganz allgemeine Dinge wie 4KoffeinTbl.-Trip, TasseKaffee-Trip, Antidepressiva-Langzeittrip, 1.MalCannabis-Trip, Trips zur Überprüfung der Psychosentheorie, Alkohol-Trip, Schlafmangel-Trip, usw. quasi ein "Erfahrungsbericht".

Es wird kein unterschied zwischen "natürlichen Drogen" und "unnatürlichen Drogen" gemacht und es herrscht fast immer das Bewusstsein, dass ALLES schädlich (als auch unschädlich) sein kann und es für alles irgendeinen "Sinn" mitbringt. (z.B. als Medizin, als Warnung vor anderen Konsumenten, als "Genussmittel", als Erkenntnisbringung oder schlicht und einfach auf Grund des "freien Willens").

Man braucht nicht nur Begriffe, sondern auch eine Community, die mit Erfahrenen und Experten arbeitet. Dieses passiert momentan nur im Untergrund (hauptsächlich über Bekanntenkreise oder Internet), öffentlich habe ich noch keine "Drogen-Vereine" - Gruppen oder Vorträge zum richtigen Konsumverhalten gesehen (auch wenn ich im Vergleich eine relativ "neutrale" Suchtprävention als Kind hatte). Raucher-Clubs, klar... Hanfvereine, klar... aber für den Rest ist es mehr eine große Therapeutensuch- und Entzugsklinikorganisation.
Es gibt wie gesagt Anlaufstellen für jede Droge, aber nur Anlaufstellen um damit aufzuhören bzw. um der Abhängigkeit zu entkommen, NICHT: wie man "richtig" und "vernünftig" (was vielleicht auch empfohlener Konsumverbot beinhaltet) umgeht und was jemand anderes im Falle von XY getan hat oder sollte.

Und um generell die psychischen Probleme ist es allgemein noch sehr schlecht bestellt. Was soll man machen, wenn man vor einer Drogenabhängigkeit Angst hat aber man nicht der Droge im Moment aufhören kann auf Grund alltäglichen nicht-zubewältigten Stresses bzw. eine andere Droge sogar harmloser wäre (z.B. statt Alkohol ein Benzo)? Zur Drogensucht-Anlaufstelle oder zum Psychiater oder doch "nur" zum Hausarzt? Auch da wird man ziemlich alleine gelassen, wenn man sich mit dem gesammten Gesundheits-Kram nicht auskennt.

Kurz und knapp würde ich es so formulieren:
Man sollte lieber ein bisschen Werbung "mit (nicht für!) Drogen und Einsatzmöglichkeiten bei Problem" machen statt nur Werbung "gegen Drogen".

Einer Droge ist es schließlich egal was man von ihm hält, einem Menschen (bzw. einem Konsumenten oder Patienten) nicht!
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Re: Kiffen dürfen reicht nicht

Beitrag von chiliheadz »

bushdoctor hat geschrieben:Muss Dir absolut recht geben...
Die gesamte "Drogenpolitik" muss dahingehend umgekrempelt werden, dass die Art der Substanz egal ist.
Wir müssen da hin kommen, dass jemand, der eine bestimmte (egal welche!) Substanz konsumiert (und dazu vorher natürlich besitzt), auf gar keinen Fall ein Krimineller ist!
Vertrieb und Weiterverkauf kann ja bei bestimmten Substanzen verboten bleiben. Vor allem die Weitergabe von psychotropen Substanzen an Kinder und Jugendliche (ohne Einwilligung der Eltern) sollte weiterhin bestraft werden... und auch Alkohol, Nikotin und Koffein müssen in diese "Substanz-Betrachtung" mit einbezogen werden.
BRAVO! Wer schützt denn den "Kassenpatienten" vor ungeprüften Substanzen? Bei dem sog. "Medikament" Strattera z.B. wird dem Patienten vorenthalten, welche schrecklichen Nebenwirkungen ihm drohen. Lediglich in der "Ärzteversion " für Ärzte und medizinisches Personal wird seitenweise auf i.d.R. 10%-ige Gefahren pro "Nebenwirkung" bei Anwendern hingewiesen. Wer diese einmal gelesen hat, wird KEINEM MENSCHEN dieses Medikament mit gutem gewissen verabreichen! Hier werden, "gesetzlich" erlaubt, schwerste Beeinträchtigungen nach dem Wahrscheinlichkeitsprinzip in Kauf genommen, statt dem Patienten die Möglichkeit der eigenen Entscheidung zu überlassen. der Patient wird "dumm" gehalten und in meinen augen mißbraucht. Bei einer Drogenlegalisierung mit entsprechend guter Aufklärung wäre dies nicht der Fall. Nur stört dies wohl die "monetären Interessen" der Pharmaindustrie und deren "Polit-Lobby". Es ist wohl wahrscheinlicher, dass Männer Kinder gebären, als dass Logik und demokratische Freiheit ohne Einflußnahme der Großfinanz in Deutschland einziehen....
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Aleã
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Re: Kiffen dürfen reicht nicht

Beitrag von Aleã »

chiliheadz hat geschrieben: BRAVO! Wer schützt denn den "Kassenpatienten" vor ungeprüften Substanzen? Bei dem sog. "Medikament" Strattera z.B. wird dem Patienten vorenthalten, welche schrecklichen Nebenwirkungen ihm drohen. Lediglich in der "Ärzteversion " für Ärzte und medizinisches Personal wird seitenweise auf i.d.R. 10%-ige Gefahren pro "Nebenwirkung" bei Anwendern hingewiesen. Wer diese einmal gelesen hat, wird KEINEM MENSCHEN dieses Medikament mit gutem gewissen verabreichen!
Wo hast du diese Information her?
Was soll nun eigentlich bei Atomoxetin verheimlicht worden sein?

Das frage ich nicht nur, weil ich schon mal zeitweise Atomoxetin genommen habe, dort habe ich nur etwas dagegen, dass ich es als "Versuchkaninchen"-Medikament in der Attentin (D-Amfetamin)-Packungsbeilage steht. (Erst alle anderen zugelassenen Medikamente in der Höchstdosis und möglichst lange bis Schäden auftreten ausprobieren - dann erst die, die wirken... kennen wir ja schon...)
Hier werden, "gesetzlich" erlaubt, schwerste Beeinträchtigungen nach dem Wahrscheinlichkeitsprinzip in Kauf genommen, statt dem Patienten die Möglichkeit der eigenen Entscheidung zu überlassen. der Patient wird "dumm" gehalten und in meinen augen mißbraucht. [...]
Aufhören Strattera als Beispiel zu nennen.
Anfangen zu fragen warum Haloperidol und viele andere Neuroleptika kein BtM sind!
Elli
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Re: Kiffen dürfen reicht nicht

Beitrag von Elli »

Es wird kein unterschied zwischen "natürlichen Drogen" und "unnatürlichen Drogen" gemacht und es herrscht fast immer das Bewusstsein, dass ALLES schädlich (als auch unschädlich) sein kann und es für alles irgendeinen "Sinn" mitbringt. (z.B. als Medizin, als Warnung vor anderen Konsumenten, als "Genussmittel", als Erkenntnisbringung oder schlicht und einfach auf Grund des "freien Willens").

Gebe dir völlig Recht! Drogen gehören zum Menschen dazu, leider erkennt das unser ach so freies demokratisches System nicht an. :evil:
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