Laberecke

Hier könnt ihr euch vorstellen, Ideen, Vorschläge, Kritik oder Lob zum DHV und zu diesem Forum anbringen und in der "Laberecke" kann frei über den Hanfgott und die Welt diskutiert werden.
pepre
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Re: Laberecke

Beitrag von pepre »

bad guy hat geschrieben: Di 18. Apr 2023, 09:16 Hoffentlich wird Hasch erstmal nicht legalisiert.
Da bin ich anderer Ansicht. ;)

Wird halt vermutlich im Amtsdeutsch als "Extrakt" gelten. Es wird bestimmt spannend, wie bei einer rein deutschen Lieferkette die Darstellung der traditionellen Haschisch-Sorten gelingt.
  • Schwarzer Afghane, Ernte September 24, 2nd Flush, Afghan Kush, Mosel Südhang, Steillage, Kaltpressung
  • Roter Libanese, Ernte Juli 24, Demeter, 1st Flush, Black Lebanon, Holledau, schonende 48h Pressung
  • Grüner Marrokaner, Ernte August 24, 2nd Flush, Jack Herer, Schwarzwald, Südhang, im Hanftuch gepresst
... das hätte schon was. :lol:
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FraFraFrankenstein
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Re: Laberecke

Beitrag von FraFraFrankenstein »

pepre hat geschrieben: Di 18. Apr 2023, 10:18 Wird halt vermutlich im Amtsdeutsch als "Extrakt" gelten. Es wird bestimmt spannend, wie bei einer rein deutschen Lieferkette die Darstellung der traditionellen Haschisch-Sorten gelingt.
  • Roter Libanese, Ernte Juli 24, Demeter, 1st Flush, Black Lebanon, Holledau, schonende 48h Pressung
... das hätte schon was. :lol:
Roter Libanese, wäre niemals im Juli erntereif. Dafür müssten die Trichome alle schon bräunlich sein. Vielleicht im Oktober mit zusätzlicher Sonnenstrahlung von Spiegeln, aber eigentlich müsste es aus dem Süden von Spanien kommen.

Die Zukunft gehört sowieso den Kohlendioxidextrakten.

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Rauch gehört nicht in die Lunge. Rauchen ist die schlechteste Art Cannabis zu konsumieren. Vapen ist da wesentlich besser geeignet. Maximal 200°C
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FraFraFrankenstein
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Re: Laberecke

Beitrag von FraFraFrankenstein »

pepre hat geschrieben: Di 18. Apr 2023, 10:59 https://www.berliner-zeitung.de/politik ... -li.338969
Das Cannabis-Gesetz: Mutlos, mittelmäßig und sehr deutsch

... Das Cannabis-Gesetz ist so ängstlich und realitätsfern, dass man sehr deutlich merkt, dass es in irgendwelchen Amtsstuben ersonnen wurde, in denen Menschen sitzen, die in ihrem Leben noch keinen Joint gesehen haben. ...
:mrgreen:
Kein Problem. Das Gesetz muss noch durch den Bundestag. Da können alle Dinge, die nicht der Realität standhalten immer noch geändert werden. So hat es der Gestzgeber vorgesehen und so wird es kommen. Für die Leute in den Amtsstuben tut es mir natürlich trotzdem leid. :mrgreen:
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Freno
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Re: Laberecke

Beitrag von Freno »

Und überhaupt ! Ich bin eigentlich sowieso garnicht so für die Legalisierung - ich hab doch meinen Kifferschein vom Psychiater und das ist 1 total tolles Privileg, sich jederzeit und überall 1 rollen zu können, sogar vor der Bullerei ... letzten Sommer mal live am See erlebt ... nur schade, daß sich die Bullerei nich im mindesten für mein joint interessiert hatte, sondern nur für 2 Paddelbootfahrer und die Paddelbootregistrierungsverordnungspflicht und die Eisvogelschutzverordnungsbrut ... mein Gott, manche Leute haben eben Sorgen ... Jedenfalls meinen jetzt alle hier, daß ich 1 total obercooler Matscho wäre, weil ich mir ganz offen einen wusele und guggen total neidisch und wenn das jetzt alle dürften, dann würde ja keiner mehr guggen und dann könnte ja jeder kommen und das wäre ja noch schöner und wo kämen wir denn dann da hin ??

Und das mit dem 49-€-Ticket ist genauso 1 sch***e ! Jahrelang habe ich kämpfen müssen für meinen Freifahrtschein - "Merkzeichen G" - und jetzt sollen ihn alle kriegen ! Die Züge werden total voll sein von Leuten, die für nix hin und her fahren, nur weil ihnen langweilig ist. Und ich, ich krieg dann wieder keinen Sitzplatz mehr, wenn ich im Winter hin und her fahre, um zuhause die Heizung zu sparen ... echt wahr: früher war alles besser !
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Martin Mainz
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Re: Laberecke

Beitrag von Martin Mainz »

Mir kommt 1 Tränchen :lol:
pepre
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Re: Laberecke

Beitrag von pepre »

Tictak hat geschrieben: Do 11. Mai 2023, 15:18 Es ist jedenfalls deutlich ersichtlich, dass ein Umdenken a la "Paradigmenwechsel" nicht stattgefunden hat.
Ja, definitiv. Cannabis wird damit noch weiter in die Schmuddelecke gedrängt. Alle anderen illegalen Drogen sowieso. Die Kiffer werden sogar noch weitergehend stigmatisiert als vor der Entkriminalisierung. Waren sie vorher noch Hippies und Aussteiger, so wird nun der Malus "Drogensüchtige, denen der Staat Gnade erweist" verhängt.

Jedenfalls ist klar: primärer Zweck der Entkriminalisierung ist der volkswirtschaftliche¹ Nutzen: Verminderung der Ausgaben (auf mehreren Ebenen).
Die dazugehörige Botschaft lautet: "Ihr seid alle krank! Damit ihr nicht noch kränker werdet passt nun der Staat auf euch auf und überwacht jeden eurer Schritte."

Ich frage mich, woher dieses Gebot zur "Enthaltsamkeit" kommt (jenseits von Anslingers Kampagne). Ist das noch ein Ausdruck der Weltanschauung des religiösen Puritanismus? "Leben ist Leid, Mühsal und Ehrfurch vor Gott, Freude und Erlösung gibt es nur im Himmel." Und/oder ist es einfach eine Auswirkung von "Wer Macht hat wird sie mißbrauchen"? À la "Wir verbieten es, weil wir es können. Basta!" Oder ist es für die Entscheider - allesamt bestenfalls egozentrierte Workaholics mit Sendungsbewußtsein - schlicht vollkommen unvorstellbar und weit jenseits des eigenen Selbstbildes, dass jemand anderes nicht 24/7 für die Karriere arbeiten will, sondern sich lieber mal 'nen faulen Lenz gönnt? Verorten sie lebensfrohe Genußmenschen per se bei "bestenfalls dumm und schlimmstenfalls arbeitsscheues Gesindel"?

Das ganze Machwerk ist einfach nur unglaublich bigott. Zumindest solange Alkohol² nicht ebenso streng reglementiert wird. Aber idF wäre sogar der deutsche Michel für eine Revolution zu haben, obwohl das Betreten des Rasens verboten ist. ;)

---

Ich stelle mir den gestandenen Bayern vor: "Wos? Mei Bier gibt's bloß no' im Industrieviert'l draußen? Und do derf ich's ned trinka? Und 's hat bloß no 3%? Und 's gibt nur mehr Pils und Lager? Ka Weiz'n mehr? D' Wies'n werd' verbot'n? Kirchweih aa? An Schnaps gibt's gar nimmer? - Ja Herrgottssakrament!!!" :lol:


---
¹ So wie überhaupt jeder "Erfolg" nur als positive Kapital-Bilanz definiert wird.
² Bekannter- und erwiesenermaßen ja in der gleichen Liga wie Heroin (bzw schlimmer weil Zellgift).
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Re: Laberecke

Beitrag von Parade »

pepre hat geschrieben: Do 11. Mai 2023, 16:08 Das ganze Machwerk ist einfach nur unglaublich bigott. Zumindest solange Alkohol² nicht ebenso streng reglementiert wird.
Gerade in Bayern, wo ein Generalsekretär der CSU mit fast 2 Promille einen Menschen tot fuhr. Der wurde später noch Verkehrsminister Bayerns. Nach sowas brauch mir kein CSUler mehr zu kommen von wegen 'gscheiten' Umgang mit Drogen.

(Allerdings kommt auch sowas wie der BR24-Bericht "Cannabis-Verbot: Hat Bayern Recht? | Possoch klärt"
Do 11.05. 16:00Uhr)
pepre
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Zum Gesetzentwurf Leak

Beitrag von pepre »

HabAuchNeMeinung hat geschrieben: Mo 15. Mai 2023, 21:013. Die Subtexte der Gesetzentwürfe enthalten die Etikettierung von Konsumierenden als besonders gefährliche Bürger, deren Genussgewohnheiten nur durch besonders restriktive Regelungen in Zaum gehalten werden können.
Ja, das ist völlig korrekt interpretiert. Die Konsumenten werden als unzurechnungsfähige Drogensüchtige behandelt, die einer staatlichen¹ Überwachung² unterworfen werden müssen, um sie halbwegs unter Kontrolle³ zu halten. Das ist der Subtext, der sich wie ein roter Faden durch das gesamte PDF zieht. Die Legalisierung stellt sich im Kontext bestenfalls als Gnadenbrot dar, das man den Irren gewährt, damit sie nicht durchdrehen und nicht völlig im ihrem Elend versinken.

Ich verstehe ja, dass man aus juristischen Gründen einen medizinischen Kontext braucht, um an den europarechtlichen Verboten vorbei zu kommen. Aber das, was da formuliert wurde, das schießt weit über's Ziel hinaus. - Das ist eher: "Alle Konsumenten müssen sich outen. Der Blockwart darf sie nach Belieben heimsuchen. Wer nicht alle Regeln einhält, der wird strenger bestraft als vorher.⁴".

Ich verstehe auch, dass man eine Grundlage schaffen muss, um evaluieren zu können. Aber dass man sämtlichen Datenschutz über Bord wirft und die Konsumenten dem Staat gegenüber völlig transparent macht, das geht zu weit. - Eine Evaluierung geht genauso gut mit anonymisierten Daten. Das ist sogar Standard. Warum das bei Cannabis nicht gehen sollte erschließt sich mir in keinster Weise.

Das ganze Machwerk ist ein einziges Sammelsurium an bürokratischer Überregulierung, staatlicher Willkür und polizeilicher Durchleuchtung von Bürgern. Das Ziel "Reduzierung des Schwarzmarktes" erreicht man damit auf keinen Fall. Und damit auch nicht "Gesundheitsschutz der Bürger".

Allenfalls der gelegentliche Wochenend-Konsument steht mit einer bescheidenen Homegrown-Ernte besser da als vorher. - Falls er nichts gegen Überraschungsbesuche vom Blockwart hat, kein KFZ führen will, und sich mit den zugelassenen Standard-Gras-Sorten zufrieden gibt.

Gute Güte, - es ist Hanf! Kein Plutonium! Mehr als 99% aller (illegalen) Konsumenten sind ganz nomale, mitten im Leben stehende, gesunde, leistungsfähige und -willige Bürger, die überhaupt nicht auffällig sind. Ich glaube diese Tatsache ist den Autoren des Gesetzes völlig unbekannt. :roll:

PS: ich hoffe, dass dieser Gesetzentwurf nicht ein Versuchsballon à la "Mal sehen, was wir den Süchtigen zumuten können. Sind ja süchtig, also werden sie alles mit sich machen lassen um an ihren Stoff zu kommen" ist. Lesen tut er sich jedenfalls so, da ist jedes Maß und Ziel verloren gegangen. Es gibt bisher keine (zwangsweise) personalisierte Erfassung des Konsumverhaltens von privaten Endkunden. Das sollte auch - im Interesse aller - so bleiben. Sonst öffnet sich die Büchse der Pandora.

Generell ist noch zu sagen: jede Datensammelei birgt große Risiken. Zum einen durch schlichten Diebstahl. Zum anderen weil auch scheinbar gefestigte Demokratien sich zZt nicht selten in totalitäre Monstrositäten verwandeln. Dieses Schicksal für D auszuschließen wäre fahrlässig und dumm. Der beste Datenschutz ist die Daten gar nicht erst zu sammeln.

---
¹ medizinisches Monitoring würde ja noch etwas Sinn machen, aber staatlich geht gar nicht
² von deren Ausmaß die Stasi nur träumen konnte
³ Anslinger läßt grüßen
⁴ Führerschein am besten sofort abgeben
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Tictak
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Re: Laberecke

Beitrag von Tictak »

Freude für alle Cannabispatienten! Die BtM-Gebühr wird nach der Legalisierung gestrichen. Eure Medizin ist dann kein Betäubungsmittel mehr. :o :mrgreen:
Das Gehirn reift bis zum 20. Lebensjahr. Zitat aus Rauschmittelkonsum_im_Jugendalter.pdf von DHS aus 2018
Freno
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Re: Laberecke

Beitrag von Freno »

pepre hat geschrieben: Do 11. Mai 2023, 16:08 (...)
Ich frage mich, woher dieses Gebot zur "Enthaltsamkeit" kommt (jenseits von Anslingers Kampagne). Ist das noch ein Ausdruck der Weltanschauung des religiösen Puritanismus? "Leben ist Leid, Mühsal und Ehrfurch vor Gott, Freude und Erlösung gibt es nur im Himmel." Und/oder ist es einfach eine Auswirkung von "Wer Macht hat wird sie mißbrauchen"? À la "Wir verbieten es, weil wir es können. Basta!" Oder ist es für die Entscheider - allesamt bestenfalls egozentrierte Workaholics mit Sendungsbewußtsein - schlicht vollkommen unvorstellbar und weit jenseits des eigenen Selbstbildes, dass jemand anderes nicht 24/7 für die Karriere arbeiten will, sondern sich lieber mal 'nen faulen Lenz gönnt? Verorten sie lebensfrohe Genußmenschen per se bei "bestenfalls dumm und schlimmstenfalls arbeitsscheues Gesindel"?

(...)
Diese Frage glaube ich beantworten zu können - richtigerweise: auf die Antwort zu verweisen, die der Heilige Sigmund von der Neurose schon 1924 gegeben hat:

https://www.projekt-gutenberg.org/freud ... tel12.html

Es handelt sich um "moralischen Masochismus", einen aus dem Unbewußten andrängenden Zwang zum Verzicht auf "irgendetwas", worauf man ansonsten meint, einen guten Anspruch zu haben: "Glücksgüter" jeder Art. Dieser Zwang beruht, wenn ich den Meister, meinen Erlöser richtig verstanden habe, im wesentlichen aus ödipalen Schuldgefühlen, Ängsten vor Bestrafung, die von ihrem Ursprung losgelöst sind: man fühlt sich schuldig, aber weiß nicht warum. Man will irgendeine Buße tun, sich kasteien - aber weiß auch nicht warum. Deswegen finden alle möglichen Theorien, Ideologien, Ethiken und auch die "Erkenntnisse" der "demokratischen Wissenschaft" bereitwillig Glauben, die jenen moralischen Masochismus "rationalisieren", dh als ein Gebot der Vernunft darstellen und seine Richtigkeit "rational beweisen".

Wir sollen ja nicht nur auf "Drogen" verzichten, sondern auch auf Fleisch und tierische Produkte, der ubiquitär gewordene Neo-Ablasshandel der teils sehr aggressiven Anwerbung von "Spenden" und "Unterstützungen", der inflationäre Ruf nach "Regulierungen" etc etc findet hier seine tiefenpsychologische Ursache, genauso wie das Dogma vom "humaninduzierten Klimawandel", das ich als eine der para-religiösen Massenschizophrenien unserer Zeitläufte ansehe.

Dem moralischen Masochismus entspricht - ich gehe im folgenden über den o.g. Text von Freud hinaus - der moralische Sadismus als sein Spiegelbild, nicht anderes als beim sexuellen Sadomasochismus. Die moralischen Sadisten - meiner Einschätzung nach weniger als 5 % der Bevölkerung - sind diejeningen, die diese Bußübungen und Kasteiungen von anderen einfordern, ihnen auferlegen wollen: sie haben ihr eigenes Schuldgefühl auf die anderen projiziert. Es sind, sofern sie reüssieren, die Priester und ihre säkularisierten Nachfolger: Aktivisten, "demokratischen Politiker und Wissenschaftler", Journalisten, Influenza etc. Wenn diese Priester andere zur Bußfertigkeit gepredigt haben, dann haben sie für sich selbst "ihre Schuldigkeit" getan und brauchen sich an die Ge- und Verbote, die sie predigen, selbst nicht zu halten: Katholische Priester predigen sexuelle Enthaltsamkeit -und mißbrauchen ihre Schutzbefohlenen, die Bischöfin Käsmann predigt Verantwortung und Verzicht zugunsten blablabla und besäuft sich hemmungslos auf einer Party und rast mit ihrem Boliden mit 140 Sachen durch eine Großstadt, eine englische "Corona-Expertin" fordert drastischste Einschränkung von privaten Sozialkontakten und fährt zu einer Party mit ihren Freunden - und das sind nur die Fallgruppen, die in "den Medien" allgemein bekannt geworden sind.

Und dann gibt es noch die meiner Meinung nach widerlichste Gruppe der "moralischen Sadomasochisten" - im aktuellen Therapeutenjargon "aggressiv-passive Narzissten", die sich einerseits den jeweils aktuellen Kasteiungen willig unterwerfen und andererseits jeden mit glühendem Haß verfolgen, der diese Unterwerfung nicht mitvollziehen will. Das internet ist geradezu verseucht von diesem Typus, dem etwa 5- 10% der Bevölkerung ausmachen dürften. Es sind die Spießer, "Gutmenschen", "Ehrenamtlichen", die Leute, die jedem Raucher auf der Straße "Rauchen tötet!" zurufen, jedem Radler auf der Straße durchs heruntergelassene Autofenster anbrüllen: "Radweg benutzen !" undsoweiter undsofort ...

Der große Rest fällt unter jenen moralischen Masochismus, den man als Normalzustand des "psychisch unauffälligen" Menschen ansehen kann.
pepre
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Physik und Affen

Beitrag von pepre »

Freno hat geschrieben: Di 16. Mai 2023, 23:22 ... genauso wie das Dogma vom "humaninduzierten Klimawandel", das ich als eine der para-religiösen Massenschizophrenien unserer Zeitläufte ansehe.
Gute Güte! Irgendwo bist du falsch abgebogen. :shock:

Der Klimawandel ist Physik: mehr CO₂ in der Atmosphäre => höhere Temperatur. Physik läßt sich nicht wegpsychologisieren, tut mir leid. Extra für dich: Naturgesetze sind Gesetze, an denen kein auch noch so begnadeter Jurist etwas ändern kann. ;)

Freud hat schon gute Grundsteine gelegt, indem er die Ursache von vielem Verhalten im Unbewußten verortet hat. Das war seiner Zeit wirklich weit voraus, und damals ein radikaler Denkansatz. Eine erste Degradierung des "sapiens" in "homo sapiens". Leider findet sich viel zu wenig Vernunft in den Entscheidungen der Menschen. Wir können zwar komplex denken, aber das impliziert nicht zwangsläufig vernünftige Resultate der Denkvorgänge.

Mittlerweile hat die Neurowissenschaft starke Anhaltspunkte dafür gefunden, dass die Grundlage des Bewußtseins in der äffischen Natur liegt: meine Bananen, meine Horde, mein Rang, mein Alphatier, mein/unser Revier, böse Nachbarhorde¹. That's all, sorry. Dieses Bewußtsein steuert die Gedankengänge des Menschen, es ist das vielzitierte "Bauchgefühl". Zwar kann sich der Mensch via Intellekt darüber hinwegsetzen, aber nur wenige tun es, denn es steht oft im Widerstreit zum Bauchgefühl: "Vernüftig wäre dies und das, aber es fühlt sich nicht richtig an." Und schon wird der Gedanke verworfen.

Dazu kommt: um das Selbstwertgefühl (s.o. "Rang") zu erhalten, kann die Psyche die Realität bis ins Absurde verdrehen. Das beschert uns solche Auswüchse wie z.B. die AfD, deren Weltbild aus losen Strängen besteht, die nicht logisch durchdacht miteinander verknüpft sind, sondern bar jeder Vernunft vom Bauchgefühl zusammen gehalten werden.

Ein weiteres Problem ist, dass die Gesellschaft "Alpha-hörig" ist. Man sieht das in den Medien: fast alles wird an Personen festgemacht, denn Rangkämpfe bedienen das Bauchgefühl (was Einschaltquoten sichert). Besser wäre natürlich eine Berichterstattung über wissenschaftliche Sachverhalte, um die Probleme der Zeit meistern zu können. Statt dessen wird versucht Alphas zu demontieren, denn das ist das Spannendste überhaupt: der Silberrücken wird herausgefordert! Z.B. Merz und Söder bedienen diese Sensationsgier perfekt, wobei sie keinerlei Skrupel haben bei ihren Angriffen Realität (i.S.v. Fakten) und Vernunft (i.S.v. logischen Konsequenzen) über Bord zu werfen.

Das erklärt auch das "Zeitalter der Despoten": Orban, Erdogan, Trump, etc. Ein starker Alpha fühlt sich für viele einfach gut an. Wenn der dann noch die Nachbarhorden ankeift: umso besser! Er muss nicht klug sein oder integer oder gerecht. "Stark" genügt völlig. Affenbewußtsein vom Feinsten.

---
¹ Fundamental ist dies ein Weltbild der Verteilungskämpfe. Wobei uns die Wissenschaft lehrt, dass eine Kooperation mit bis dato konkurrierenden Systemen idR eine weit höhere Effizienz und Resilienz aufweist um Mangellagen zu begegnen.
chiliheadz
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Re: HADU Hanf Aktivisten Duisburg

Beitrag von chiliheadz »

Ja, leider verschreiben auch mir meine Ärzte lieber Tilidin, Tramal und andere "chemische Drogen", die süchtig machen und den Körper schädigen, statt zu heilen. Das muß sich schnell ändern, denn diesen Dreck will ich auch nicht meinem Körper zumuten! Ich WILL NICHT ZU EINEM OPFER DER MÄCHTIGEN PHARMA - "DROGENDEALER" WERDEN! Wie schon die Hl. Hildegard von Bingen wußte und in ihrem Heilkräuterbüchlein der Öffentlichkeit bekannt gegeben hat, ist ein nautürlich wirkendes Mittel gegen Schmerz, Bakterien, Viren und Pilzerkrankungen das Gottesgeschenk Cannabis, also der Hanf!
Die sich CHRISTEN NENNENDEN "TASCHENFÜLLER UND BETRÜGER", DIE SICH AUCH AUF KOSTEN KRANKER MENSCHEN BEREICHERN, SIND NOCH DIE GLEICHE SORTE, DIE DAMALS JESUS AN DAS KREUZ GENAGELT HABEN!
Es wird Zeit, daß Wahrheit und Recht gewinnen und das von Gott gegebene Heilkraut Hanf wieder legalisiert wird!
Laßt uns alle dafür kämpfen, daß auch die Ärzteschaft nicht länger "hinterrücks unterdrückt wird" und gegen besseres Wissen Kranken Dreck verschreiben muß, statt ihnen Cannabisprodukte ohne sanktioniert zu werden verschreiben kann!
LEGALIZE IT!
Parade
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Re: HADU Hanf Aktivisten Duisburg

Beitrag von Parade »

chiliheadz hat geschrieben: Do 18. Mai 2023, 12:44Laßt uns alle dafür kämpfen, daß auch die Ärzteschaft nicht länger "hinterrücks unterdrückt wird" und gegen besseres Wissen Kranken Dreck verschreiben muß, statt ihnen Cannabisprodukte ohne sanktioniert zu werden verschreiben kann!
Gibt es nach Corona noch die "Ärzteschaft"?
Freno
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Re: Physik und Affen

Beitrag von Freno »

pepre hat geschrieben: Mi 17. Mai 2023, 10:18 (...)
Mittlerweile hat die Neurowissenschaft starke Anhaltspunkte dafür gefunden, dass die Grundlage des Bewußtseins in der äffischen Natur liegt: meine Bananen, meine Horde, mein Rang, mein Alphatier, mein/unser Revier, böse Nachbarhorde¹. That's all, sorry. Dieses Bewußtsein steuert die Gedankengänge des Menschen, es ist das vielzitierte "Bauchgefühl". Zwar kann sich der Mensch via Intellekt darüber hinwegsetzen, aber nur wenige tun es, denn es steht oft im Widerstreit zum Bauchgefühl: "Vernüftig wäre dies und das, aber es fühlt sich nicht richtig an." Und schon wird der Gedanke verworfen.
(...)
Es gibt einen weiteren Aspekt aus der psychoanalytischen Perspektive: nämlich die "Ich-Schwäche". Das "Ich" als Sitz unseres Bewußtseins und der Rationalität wird landläufig gerne als stärkste Instanz der Psyche angesehen - nach den Erfahrungen der Psychoanalyse ist es indessen die Schwächste. Unser Bewußtsein kann kaum 24 h am Stück aufrecht erhalten werden, regelmässig ist es früher schon "am Ende" und muß abgeschaltet werden: schlafen. Die unbewußten psychischen Instanzen arbeiten dagegen kontinuierlich durch, wie man aus der "Traumarbeit" weiß. Die "Ich-Schwäche" äussert sich auch in einer äusserst starken Neigung, die "Ich-Funktionen" an Instanzen der Aussenwelt zu deligieren.

Wer tanzt, ist "slave of the rhythm" (Grace Jones), Fußballfans im Stadion deligieren ihre Ich-Funktionen an eine ungeführte Masse, wie sie in Le Bons "Massenpsychologie" in vielen Beispielen beschrieben wird. Bei der geführten Masse erfolgt die Delegation nicht an die Masse selbst, sondern den Führer. S. Freud beschreibt dies in "Massenpsychologie und Ich-Analyse" (sozusagen eine Antwort Freuds an Le Bon, den er sehr sorgfältig referiert) an den Beispielen des Militärs und der Kirche. Auch die "Beziehung" im landläufigen (emotional-sexuellen) Sinne des Wortes findet ihr Wesen zumindest großenteils in einer solchen Delegation: "Wollen wir heute abend nicht mal wieder ne Pizza essen gehen ?" : fragt einer der Partner den anderen, weil sein Ich schon zu schwach ist, um diese Frage zu beantworten. Ein Beziehungspartner mit einem stärkeren Ich würde dagegen fragen: "Ich hab mal wieder Bock auf Pizza essen gehen - wie isses, hast Du auch Bock ?"

Die erstaunlich hohe Anziehungskraft von stringenten, rigiden Normsystemen auf sehr, sehr viele Menschen erklärt sich genau dadurch: ihr schwaches Ich wird durch die Delegation auf diese Normsysteme entlastet. Religionen, Ideologien, Parteien, Bewegungen, Medien, peer groups ... last not least das durch die smartphones ubiquitär gewordene internet dienen der Kompensation dieser Ich-Schwäche und insbesondere dann, wenn - wie regelmässig - diese Entlastungsfunktion mit einer Rationalisierung des schon oben beschriebenen "moralischen Masochismus" zusammentrifft. Gerade die Parteien und Bewegungen, die ihren Wählern und Anhängern "große Opfer und gewaltige Anstrengungen", blood, toils, sweat and tears versprechen (statt Glück und Wohlfahrt) erfreuen sich gerade in unseren Zeitläuften großer Beliebtheit.

Es gibt noch einen weiteren Aspekt: nämlich die Dummheit. Ich halte etwa 2/3 der Bevölkerung in diesem unserem Lande für grenzdebil oder noch dümmer. Diese "moralische Mehrheit" ist zu komplexen Denkprozessen völlig unfähig, kann bestenfalls von Autoritäten vorgesetzte Phrasen papageienhaft nachplappern. Obendrein ist diese Mehrheit völlig "bildungsfern". Bildung, hä ?! - das braucht doch heutzetage kein Schwein mehr - wo's doch die Wiki-App für's Phone gibt !

Bildungsferne ist indessen kein Privileg der Doofen - die Anzahl der hochqualifizierten Fachidioten wächst in erschreckendem Maße - erschreckend, weil diese Fachidioten in höheren Berufen tätig sind, enorm hohe Positionen erreichen können. Ein früherer Freund von mir, Inhaber eines regional tätigen Tiefbauunternehmens und einer Spedition, kannte noch nicht einmal den Namen des letzten deutschen Kaisers.

Bildung repräsentiert sich - ich folge insofern Dietrich Schwanitz' "Bildung - alles, was man wissen muß" - durch Wissen und Können. Das Wissen, vor allem das historische Wissen, verflacht immer mehr, das Können reduziert sich zum Fachidiotentum- und was herauskommt ist: Dummheit, die in noch weit höhere Maße auf Führung und Führer angewiesen ist, als es die gleichfalls weit verbreiteten moralischen Masochisten und Ich-Schwachen ohnedies sind.

PS für pepre: ich wähle AfD.
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M. Nice
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Re: Physik und Affen

Beitrag von M. Nice »

Freno hat geschrieben: Do 18. Mai 2023, 21:24
PS für pepre: ich wähle AfD.
Vielleicht solltest Du deine homöopathische Dosis erhöhen :!:

Cannabis, bei richtiger Dosierung, kann bewustseinserweitert wirken :o

Vermutlich wird das bei dir nix bringen, aber einen Versuch ist es Wert.
Rauchst du zwei Stund Hanf hinein, wirst du müd und schläfst bald ein!
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Re: Laberecke

Beitrag von pepre »

Freno hat geschrieben: Do 18. Mai 2023, 21:24 Ich halte etwa 2/3 der Bevölkerung in diesem unserem Lande für grenzdebil oder noch dümmer.
Es kommt auf die Definition von Dummheit an. — Zudem stehen wir vor einem echten Problem: das Wissen ist expotentiell angewachsen. Den Universalgelehrten gibt es nicht mehr. Heutzutage wäre er eher in der Rolle eines Supervisors zwischen den Disziplinen. Eigentlich müsste die Politik diese Rolle spielen, aber die ist primär mit sich selbst beschäftigt, bzw sie läßt sich von Lobbyisten und Medien am Nasenring durch die Manege ziehen.

Dumm ist mMn, wer Fakten leugnet. Es ist egal, wie komplex das Gedankengebäude ist, das dieses Leugnen "begründet". Auch ansonsten sehr intelligente Menschen können sich in so einem Trugbild verstricken. Auf der anderen Seite: schlau ist in diesem Sinne, wer permanent sein Weltbild gegen die Fakten mißt. Es ist gar nicht so einfach - aufgrund der schieren Masse an Informationen - die Faktenlage zu ermitteln. Nur zu oft pickt man sich nur die ins eigene Weltbild passenden Fakten heraus, und ignoriert den widersprechenden Rest (s.o.: Erhalt des Selbstwertgefühls). Und schon steckt man in der Falle einer Ideologie, die idR dann auch gar nicht mehr hinterfragt wird.

Es ist überhaupt nicht gut, wie die Welt zZt organisiert ist: "erfolgreich" wird genannt, wer Gewinn erwirtschaftet. Und dies im eigenen Fachbereich. Welche Auswirkungen dieses Handeln in andere Fachbereiche hat spielt idR keine große Rolle. Von daher stimme ich der These "eine Welt von Fachidioten" zu. Aber das ist eine logische Konsequenz aus der Ideologie des Neoliberalismus, der sich leider überall breit gemacht hat.

Die althergebrachte Form von "Wissen" nützt uns nur wenig in der ggw zivilisatorischen Situation. Viel mehr braucht es interdisziplinäres Denken, das leider nur sehr langsam an den Universitäten Einzug hält. Aber es geschieht. Interessanterweise passiert dies parallel zur naturwissenschaftlichen Erkenntnis, dass kooperative Systeme a) viel verbreiteter sind als angenommen und b) diese auch noch erfolgreicher sind als konkurrierende.

Noch: "Führer" haben der Welt summa summarum nur Unheil beschert. Dies umso ausgeprägter, je zentralistischer das System ist, das sie führen. Dringend geboten wäre eine generelle Dezentralisierung mit Verflachung der Hierarchien. Das stellt die Leute natürlich auch mehr in die Selbstverwaltung und Eigenverantwortung. Aber daran wachsen sie, zumindest die meisten. Jedenfalls ist die fortwährende Akkumulation von Macht und Kapital ein fundamentaler Irrweg, der nur einer egozentrierten Elite zugute kommt (die mit Lobbyismus und Einflußnahme auf die Medien den Status Quo zu halten trachtet).

Auch der Kassierer an der Supermarktkasse mit einem IQ von 80 ist nicht dumm per se. Er lebt sein Leben im Rahmen seiner Möglichkeiten. Fatal ist, dass er das hetzerische Gerede von Alphas und Eliten glaubt, die ihm Ängste einreden, um ihn für ihre selbstsüchtigen Ziele einzuspannen¹. Er glaubt das, denn ein Faktencheck ist viel zu komplex für ihn. Aber das ist nicht seine Schuld, er ist ein Opfer.

---
¹ Oft mit den Argumenten: die böse Nachbarhorde will dir deine Bananen wegnehmen und dein Revier besetzen. Funktioniert halt umso besser, je schlichter die analytischen Fähigkeiten des Opfers sind. Aber auch Geistesgrößen sind dagegen nicht gefeit, s.o.: "Bauchgefühl".
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Re: Laberecke

Beitrag von Freno »

pepre hat geschrieben: Fr 19. Mai 2023, 08:23 (...)
Dumm ist mMn, wer Fakten leugnet. (...)
Was ist 1 "Fakt" ? Was ist "leugnen" ? "Fakt" ist ein Rezent ostzonalen Sprachgebrauchs, im Westen sprach man von "Tatsache" oder verkürzt von "Sache". Es ist eine 'Sache' der Kommunikation. "Fakt" oder "Sache" ist keine Entität im philosophischen Sinne, sondern eine Aussage, die den Anspruch auf Wahrheit erhebt. Wahrheit - das ist nicht nur ein logisches Kriterium, sondern auch ein politischer oder auch rhetorischer Imperativ: wer eine Aussage, die den Anspruch auf Wahrheit erheben kann, bestreitet, der "leugnet" die Wahrheit und macht sich damit zum Feind derjenigen, welche die Wahrheit dieser Aussage anerkennen.

Aber auch die Wahrheit als logisches Kriterium hat so ihre Tücken. Kurt Gödel hat in seinen "Unvollständigkeitssätzen" von 1931 nach den strengen Regeln mathematischer Logik nachgewiesen, daß es in jedem logisch kohärenten System von Aussagen zumindest eine Aussage geben muß, die nach den Regeln des Systems nicht bewiesen oder widerlegt werden kann - was ich hier nur umgangssprachlich umschreiben kann, für formale Logik bin ich viel zu dumm. (In der Praxis sind es aber weit mehr als eine Aussage, für die jenes zutrifft.) "Wahrheit" stößt also schon rein mathematisch-logisch an ihre Grenzen.

"Die Partei, die Partei, die hat immer Recht!
Und, Genossen, es bleibe dabei;
Denn wer kämpft für das Recht,
Der hat immer recht.
Gegen Lüge und Ausbeuterei.
Wer das Leben beleidigt,
Ist dumm oder schlecht.
Wer die Menschheit verteidigt,
Hat immer recht.
So, aus Leninschem Geist,
Wächst, von Stalin geschweißt,
Die Partei - die Partei - die Partei."

Dieses Zitat aus dem "Lied der Partei" von Louis Füenberg zeigt geradezu exhibitionistisch die petitio principii auf: "wer kämpft für das Recht, der hat immer recht" !

"Was ist Wahrheit ?" fragte Pontius Pilatus. Jesus schwieg. Meine Antwort ist: ein Dogma.
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Re: Laberecke

Beitrag von Parade »

pepre hat geschrieben: Fr 19. Mai 2023, 08:23Noch: "Führer" haben der Welt summa summarum nur Unheil beschert. Dies umso ausgeprägter, je zentralistischer das System ist, das sie führen. Dringend geboten wäre eine generelle Dezentralisierung mit Verflachung der Hierarchien.
Komplexe Systeme aufgeben bloß weil falsche Personen es an zentrale Stellen schaffen?
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Re: Laberecke

Beitrag von pepre »

Freno hat geschrieben: Sa 20. Mai 2023, 22:20 Was ist 1 "Fakt" ?
ZB Naturgesetze sind Fakten.
Freno hat geschrieben: Sa 20. Mai 2023, 22:20 Was ist "leugnen" ?
Naturgesetze nicht zur Kenntnis zu nehmen. Bzw mit viel Schwurbel zu versuchen sie zu ignorieren/relativieren.¹

Schwieriger wird's schon bei der Ökonomie. Da herrschen Dogmen vor, es ist mehr ein Glaubenssystem als Wissenschaft. ZB "Trickle down"; da ist schon lange statistisch hoch signifikant belegt, dass das nicht funktioniert. Dennoch hält man daran fest.

---
¹ Bei den Klimawandelleugnern zB gibt es ähnliche "Beweisketten", wie sie zB in der Esoterik schon lange üblich sind: A zitiert B, B zitiert C, C zitiert A. Qed. Dass zeitgleich AAAA bis ZZZZ sagen "das ist hanebüchender Quatsch" wird ignoriert. — Kardinalfehler der Medien dabei: Tausend Experten sind sich einig, einer widerspricht. In die Talkshow wird dieser eine eingeladen und einer der Tausend. Und das wird dann als "ausgewogene Berichterstattung" präsentiert. Das Ergebnis: medial erscheint das Thema als strittige These.

Beim Thema Hanf haben wir ebenfalls ein Ungleichgewicht: es werden weit überwiegend die Stimmen präsentiert, die auf Problematiken hinweisen. Dass über 99% der User einen völlig problemlosen Konsum haben wird nahezu komplett unterschlagen.
Zuletzt geändert von pepre am So 21. Mai 2023, 11:59, insgesamt 5-mal geändert.
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Re: Laberecke

Beitrag von pepre »

Parade hat geschrieben: So 21. Mai 2023, 01:27 Komplexe Systeme aufgeben bloß weil falsche Personen es an zentrale Stellen schaffen?
Je komplexer ein System ist, desto weniger steuerbar ist es: zu viele Faktoren, die wechselwirken. Es ist ein Trugschluß, dass eine zentrale Steuerung tatsächlich mehr Kontrolle ermöglicht. (Das geht nur in totalitären Systemen, die sind aber nicht komplex.)

Es geht hier auch gar nicht um die Komplexität an sich, das ist nur ein Nebeneffekt. Zentralistische Systeme lassen sich zentral manipulieren (mit geringem Aufwand). Sie haben viele Hierarchiestufen, was die Basis von der Spitze zunehmend entkoppelt. Beide Effekte werden von Lobbyisten perfekt ausgenutzt.

Auf der anderen Seite: dezentrale Systeme können ja dennoch über gemeinsame Regeln verfügen (Konsens).
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Re: Laberecke

Beitrag von Freno »

pepre hat geschrieben: So 21. Mai 2023, 11:16
Freno hat geschrieben: Sa 20. Mai 2023, 22:20 Was ist 1 "Fakt" ?
ZB Naturgesetze sind Fakten.
Freno hat geschrieben: Sa 20. Mai 2023, 22:20 Was ist "leugnen" ?
Naturgesetze nicht zur Kenntnis zu nehmen. Bzw mit viel Schwurbel zu versuchen sie zu ignorieren/relativieren.
Ich muß ehrlich bekennen, kein einziges "Naturgesetz" in Evidenz zu halten - ich müßte bei Wiki nachschlagen, um ein Beispiel zu finden.

Naturgesetze sind indessen 1 Produkt dessen, was wir Wissenschaft nennen und diese beruht auf Beobachtung. Eine Beobachtung ist ein Sinnesreiz, der zu unserem Bewußtsein gelangt. Bis hierhin dürften wir uns einig sein - und jetzt geht es los mit meiner psychoanalytischen Sicht auf die Dinge: gemeiniglich nehmen wir an, daß alle Sinnesreize, denen wir Relevanz beimessen - "uns konzentrieren" - auch bewußt werden und genau das ist leider falsch. Denn es gibt in unserer Psyche, genauer: im unbewußten Teil unserer Psyche, eine Instanz, die darüber entscheidet, welche Sinnesreize unser Bewußtsein überhaupt erreichen dürfen. Diese Instanz wird von der Psychoanalyse "die Abwehrmechanismen" genannt. Anna Freud hat in "Das Ich und die Abwehrmechanismen" ungefähr 10 davon katalogisiert und prägnant beschrieben. Diese "Abwehrmechanismen" können aber nicht nur negativ Wahrnehmungen der Aussenwelt von unserem Bewußtsein fernhalten, sondern auch positiv Wahnvorstellungen als "Wahrnehmung der Aussenwelt" in unser Bewußtsein "einschmuggeln". Psychopathologisch nennt man das gemeinhin Schizophrenie. Wir sind es gewohnt, dies für einen Ausnahmezustand von einigen wenigen "Kranken" zu halten - tatsächlich sind solche Schizophrenien bei jedem "Kulturmenschen" (S. Freud) anzutreffen. Sie begegnen uns Tag für Tag. S. Freud hat unter dem Titel "Zur Psychopathologie des Alltagslebens" ein sehr amüsant zu lesendes Buch darüber verfasst.

Was wohl alle von uns schon einmal selbst in der einen oder anderen Weise erlebt haben: wir können einen aktuell benötigten Gegenstand nicht auffinden, zB den Schlüsselbund, ohne den wir die Wohnung nicht verlassen, Fahrrad oder Kfz nicht benutzen können, wenn wir zu einer Verabredung aufbrechen wollen. Wir finden ihn nicht an seinem "festen Platz", auch nicht an allen anderen möglichen Orten in der Wohnung, durchsuchen alle möglichen Ablageorte, Taschen, Schubladen ... nichts - und wir kommen in eine linde Form von Panik hinein, Ameisen laufen rasend schnell an der Innenseite der Haut, der Blutdruck schießt durch die Decke, Schweißperlen tropfen von der Stirn ... und dann tun wir zumeist irgendwann instinktiv das Richtige: "Moment mal - erst mal wieder runterkommen!" Wir setzen uns hin, trinken eine Tasse Tee oder Kaffee, rauchen eine oder EINEN (was interessanterweise besonders wirksam ist!), hören etwas Musik, blättern in was Gedrucktem oder klicken im Netz herum ... und dann, beruhigt, nehmen wir die Suche wieder auf und finden den Schlüsselbund genau dort, wo er hingehört, an seinem festen Platz, wo wir schon "dutzendmale" nachgeschaut hatten. Wir schütteln den Kopf über unsere Schusseligkeit und verlassen erleichtert die Wohnung und machen uns keine Gedanken mehr darüber, alleine, weil es so peinlich ist. Das Allerpeinlichste ist: an dem "festen Platz" des Schlüsselbunds hatten die Abwehrmechanismen ein Erinnerungsbild des "festen Platzes" ohne Schlüsselbund in unser Bewußtsein projiziert, die Sinneswahrnehmung des "festen Platzes" mit Schlüsselbund dagegen verdrängt. Wieder so eine "Schizophrenie des Alltagslebens" !

Solche "Fehlleistungen" erweisen sich, wenn man sie psychoanalytisch untersucht, regelmässig als Folge der Tätigkeit der Abwehrmechanismen. Im Beispiel vom Schlüsselbund: bei der Verabredung, zu die wir aufbrechen wollten, gab es einen dem Bewußtsein verborgen gebliebenen Grund, ihr fernbleiben zu wollen. Zu der Party, zu der wir eingeladen waren, und uns bewußt drauf freuten, war auch "der/die Ex" eingeladen, mit der wir bewußt inzwischen "im Reinen" sind und ein "bewußt freundschaftliches Verhältnis" haben ...

Solche Fehlleistungen können auch kollektiv zustande kommen. Le Bon referiert in "Psychologie der Massen" einen Fall, in dem ein französisches Kriegsschiff auf einer "search & rescue"-Aktion unterwegs war. Ein Ausguck erblickte sie zuerst: ein Floß mit winkenden Schiffsbrüchigen, bald sahen sie auch die anderen auf Deck befindlichen Besatzungsmitglieder, das Kriegsschiff hielt auf die Schiffsbrüchigen zu ... und tatsächlich war es ein Baum, der in dem (ufernahen) Gewässer trieb.

Wenn von 1000 Experten 999 einer Meinung sind, dann meint man gewöhnlich, die Wahrheit - den "Fakt" - gefunden zu haben - aus der Sicht der Psychoanalyse jedoch drängt sich der Verdacht auf, daß sich eine "psychologische Masse" gebildet hat, die sieht, was ihr kollektives Unbewußtes sehen will und auch nicht sieht, was ihr kollektives Unbewußtes nicht sehen will.
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Re: Laberecke

Beitrag von Tictak »

Wasser kocht bei 100 Grad Celsius auf Meereshöhe und friert bei 0 Grad. Das ist ein Fakt.
Das Gehirn reift bis zum 20. Lebensjahr. Zitat aus Rauschmittelkonsum_im_Jugendalter.pdf von DHS aus 2018
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Re: Laberecke

Beitrag von pepre »

Freno hat geschrieben: So 21. Mai 2023, 22:39 Wenn von 1000 Experten 999 einer Meinung sind, dann meint man gewöhnlich, die Wahrheit - den "Fakt" - gefunden zu haben - aus der Sicht der Psychoanalyse jedoch drängt sich der Verdacht auf, daß sich eine "psychologische Masse" gebildet hat, die sieht, was ihr kollektives Unbewußtes sehen will und auch nicht sieht, was ihr kollektives Unbewußtes nicht sehen will.
Das ist doch - mit Verlaub - Quatsch. Es geht um Messungen. Wenn diese immer und überall das gleiche Ergebnis haben, dann sind diese Meßergebnisse ein Faktum.

Beispiel: du tust Luft in zwei Glaszylinder und läßt die Sonne drauf scheinen. In dem einen Zylinder ist mehr CO2 als in dem anderen. Meßergebnis: die Luft in dem Glaszylinder mit mehr CO2 erwärmt sich mehr; je mehr CO2, desto wärmer wird's. Bewußtsein/Unbewußtsein hin oder her, - das ist Physik. Daran gibt es überhaupt nichts zu deuteln. Du kannst die Naturwissenschaften (Physik, Chemie) nicht in einen Topf mit Geisteswissenschaften, die teilweise hochdifferent interpretationsfähig sind, werfen. (Die Ökonomie lassen wir mal ganz außen vor, denn die ist ggw primär ein Glaubenssystem.)

Dein Weltbild scheint mir eine Abart von "die Welt findet ausschließlich im Kopf statt" zu sein. Das ist zwar in sinnlicher Hinsicht richtig, findet aber da seine Grenze, wo es um Naturgesetze geht. Für physikalische Meßergebnisse das kollektive Unbewußte verantwortlich zu machen: das reicht bereits weit in esoterische Glaubenssysteme hinein (morphische Felder, Orgonstrahlung und dergleichen).
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Re: Laberecke

Beitrag von Parade »

Tictak hat geschrieben: So 21. Mai 2023, 23:10 Wasser kocht bei 100 Grad Celsius auf Meereshöhe und friert bei 0 Grad. Das ist ein Fakt.
Corona hat gezeigt das Wissenschaftler die ein erwünschtes Ergebnis anzeigen aufgewertet werden, und die ein unerwünschtes anzeigen abgewertet werden. Da wird ein Klima erzeugt wo sich kaum noch jemand traut mit einem "Fakt" zu kommen wenn das gegen die öffentliche Geschichte sprechen würde, weil der Überbringer des Faktes damit rechnen muß in eine Naziecke gestellt zu werden.
Also, "Wasser kocht bei 100 Grad Celsius auf Meereshöhe und friert bei 0 Grad" nur wenn das nicht gegen die Ideologie spricht, ansonsten könnte das so werden wie im Mittelalter wenn einer die Frechheit hatte zu sagen das die Erde um die Sonne dreht.

In so einem Umfeld muß es nicht verwundern wenn Politiker immer wieder mit 'Einstiegsdroge' bla bla kommen können.
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Re: Laberecke

Beitrag von Tictak »

Parade hat geschrieben: Mo 22. Mai 2023, 13:30
Tictak hat geschrieben: So 21. Mai 2023, 23:10 Wasser kocht bei 100 Grad Celsius auf Meereshöhe und friert bei 0 Grad. Das ist ein Fakt.
In so einem Umfeld muß es nicht verwundern wenn Politiker immer wieder mit 'Einstiegsdroge' bla bla kommen können.
Die wissen natürlich selbst, dass die "Einstiegsdrogentheorie" vollkommener Unsinn ist, aber dadurch dass sie es so häufig ungestraft in der Öffentlichkeit herausblasen können, kommt es bei den Unwissenden trotzdem gut an und wird einfach ohne Kontrolle übernommen. Es gibt leider keinen Mechanismus, der verhindert ,dass Politiker in die Kamera lügen.
Tic
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