nightcap hat geschrieben: Mi 21. Mai 2025, 10:23
Dem wurden m.W. doch auch viele (eigentlich ja gesunde) "Patienten" von Seiten der Gerichte zugeschanzt, damit diese wiederum Strafmilderung bekommen. Was für ein abgefucktes System...
Nicht nur ihm, das findet häufig statt. Der Erfolg einer therapeutischen Intervention ist aber sehr stark abhängig von der Einsicht des Betroffenen und von einem Wechsel der vorbelasteten Umgebung. Diese gerichtlich bestimmten Maßnahmen sind also kaum effektiv.
nightcap hat geschrieben: Mi 21. Mai 2025, 10:23
Ja, von dem alternativen Suchtbericht habe ich gehört. Aber was soll´s, du wirst mit solchen Leuten eh keine sachliche Diskussion führen können. Denn wäre dem so, wäre Cannabis schon seit den 90ern legalisiert worden.
Der Alternative Drogen- und Suchtbericht ist sehr prospektiv und auf Prävention ausgerichtet, die Forschungsaufträge der Bundesregierung zeichnen dagegen eher Entwicklungen nach. Die Entwicklungen beim Drogenkonsum folgen aber auf soziale Entwicklungen. Imo hat diese Ausrichtung und der Zeitpunkt der Initiative eine gute Grundlage geschaffen um die Gesetzesänderungen zu ermöglichen, quasi als eine Art Think-Tank und Netzwerk der Wissenschaftler.
Bspw. hat Heino Stöver sein Wissen in die Konzeption der Gesetzesänderungen mit einfließen lassen. Daraus resultiert u.a. die Erkenntnis, dass sowohl Prohibition als auch ein komplett unregulierter Markt mit Werbung schädliche Folgen haben können.
Daneben gibt es eigentlich nur medizinisch orientierte Netzwerke, die aber allgemein keinen so großen Einfluss haben und eher international arbeiten.
Die Medizin eignet sich auch gut um eines zu verdeutlichen: Es gibt den Punkt, an dem die kritische Masse erreicht ist. Die internationale Forschung ist durch die Prohibition sehr in die Enge gedrängt worden was die Forschung zum Nutzen von Phytocannabinoiden betrifft. Dagegen wurde Forschung bzgl. Schädigungen gefördert.
Irgendwann wurden die Hinweise zum Nutzen aber so deutlich, dass der Widerstand der Experten schwand. Es wurde teilweise in Kliniken weg gesehen oder manchmal sogar direkt vermittelt, um Leid zu lindern. Das zeigte sich auch bei den Pflegenden und in Medienberichten. Das öffentliche Interesse und der Faktor der Sensationalität stiegen an und setzten das System der Prohibition unter Druck. Die Gerichte folgten hier auch oft bereitwilliger, natürlich gab es aber gerade unter Patienten enorm viele Opfer des Systems.
Schon lange gilt der medizinische Einsatz als Türöffner für den legalisierten Besitz zum Eigenkonsum, zuerst 1996 in Kalifornien.
Wir haben es in sozialen Kontexten mit sehr viel Bewegung zu tun, mit den Worten von Hannes Wader:
Denn was neu ist, wird alt, und was gestern noch galt
Stimmt schon heut oder morgen nicht mehr
In rein sozialen Kontexten wäre auf jeden Fall ein starker Wandel zu noch konservativeren Positionen zu befürchten, auch das wird langfristig von den medizinischen Aspekten verhindert. Insofern mache ich mir zukünftig wenig Sorgen.
Natürlich wird man manche Leute mit stark vorgefasster Meinung nicht von den Argumenten überzeugen können, darum geht es aber nicht unbedingt. An den negativen Folgen muss weiter gearbeitet werden, das ist aber in der Gesellschaft die Regel.