Dreimal ram-ram
Folgendern Absatz fand ich sehr interessant:
Das letzte hat glaube ich fast jeder, der hier aktiv ist, schonmal gemacht: Eine "Prise" Marihuana dem Zigarettentabak zugesetz...Der Haschisch-Produzent kann - etwa mit einem warmen Bügeleisen aus der Cannabis-Pflanze eine harzartige Masse herauspressen - das berauschende Hanföl Cannabinol. Er kann aus den weiblichen Blüten-Sprossen einen klebrigen Brei herstellen. Aus dem Kraut läßt sich eine Art Preßtabak verfertigen. Die getrocknete Pflanze läßt sich häckseln oder pulverisieren.
Der Haschisch-Konsument wälzt die Cannabis-Blüten entweder wie Kautabak zwischen den Gaumen oder dreht aus dem Haschisch-Brei kleine Kügelchen und gibt diese - wie es der Haschischesser Baudelaire am liebsten tat - schwarzem Kaffee bei. Er stopft den Cannabis-Teig in eine Wasserpfeife und inhaliert seine berauschenden Dämpfe. Er dreht aus dem getrockneten Kraut Zigaretten oder setzt Zigarettentabak ein paar Prisen Marihuana zu.
Die "Bügeleisen"-Technik würde mich schon sehr stark interessieren. Gab´s das wirklich?
Falls der SPIEGEL hier 1966 nicht totalen Bullshit verzapft hat, dann haben sich die Konsumgewohnheiten aber während der letzten 40 Jahre sehr stark geändert...
Auch "rassistische" Tendenzen sind in dem Artikel zu erkennen, denn "ein guter Deutscher raucht kein Hasch", das haben selbstverständlich die "Ausländer" mitgebracht:
Immerhin spricht der Artikel die Legalisierung kurz an, indem auf den LaGuardia-Report verwiesen wird und eine Forderung des britischen Ärzteblattes zitiert wird, wenn auch mit "rassistisch gefärbtem" Nachkommentar:Zweifellos ist auch in Deutschland die Marihuana-Welle Resultat einer modernen Völkerwanderung. Nach Beobachtungen des BKA-Kriminalrat Thomsen "fällt die aufsteigende Linie bei Marihuana zusammen mit der steigenden Zahl von Gastarbeitern, die nicht nur ihre Arbeitskraft, sondern auch Marihuana mitgebracht haben".
Trotzdem bleibt der Tenor - wie heute auch - "Haschisch rauchen mach dumm"!Daß man Marihuana von der Liste der Rauschgifte streichen, seinen Verbrauch legalisieren und ihm "denselben soziologischen Status wie dem Alkohol" geben möge, forderte das ehrwürdige britische Ärzteblatt "The Lancet" 1963. Nach der Einwanderung Hunderttausender Farbiger ins englische Mutterland hatte der Marihuana -Konsum unter den Twens und Teenagern Großbritanniens damals zugenommen "wie die Geburtenrate in Indien" (der Londoner "Daily Sketch").
Meines Erachtens diente dieser SPIEGEL-Artikel der medialen Vorbereitung des BtmG, denn damals "herrschte" noch das Reichsopiumgesetz, wonach man nur bis zu drei Jahren "einsitzen" musste für Verstöße...