Cannabis und Depressionen

Wo kann Cannabis als Medizin helfen, welche Erfahrungen wurde mit spezifischen Medikamenten gemacht?
Rene36011
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Artsuche Bayern gegen Adhs & Depressionen

Beitrag von Rene36011 »

Guten Tag

Mein Name ist René ich bin 20 Jahre jung und mir wurde in kinderjahren (Grundschulalter) schweres Adhs diagnostiziert. Anfangs wurde versucht es medikamentös durch medikinet zu behandeln doch waren die Nebenwirkungen zu groß ich habe extrem an Gewicht verloren und würde stark depressiv. Zitat meiner mutter "du warst danach absolut nicht mehr mein Sohn"
Aufgrund der Depressionen habe ich mich ausgegrenzt war nicht mehr der fröhliche Junge der ich mal war und habe mich auf die falschen Leute eingelassen und den Konsum von Marihuana begonnen. Doch in dieser Zeit vergingen die Symptomatik langsam ich war ausgeglichener konnte wieder mehr lachen und mich konzentriert auf wichtiges fokussieren. Doch da die Situation in Bayern momentan mehr als kritisch is musste ich nun den Konsum einstellen da die Angst vor rechtlichen Konsequenzen nun einfach zu groß ist. Ich komme mit dem Entzug auch extrem gut zurecht nur kommt die Symptomatik nun verschlimmert wieder zurück. Ich schlafe pro Nacht max 2-3 Stunden mehr geht einfach nicht ich esse viel und nehme trz immer mehr ab (momentanes Gewicht 47.1 kg auf 170cm Größe) bin wieder extrem aufgedreht habe extreme Konzentrationsprobleme und so gut wie keine Aufmerksamkeitsspanne mehr das belastet sowohl mich auch als die Leute in meinem Umfeld. Ich habe aber Angst erneut zu einem Arzt zu gehen da normalerweise mit Medikamenten wie retalien oder medikinet behandelt wird. Ich befinde mich bereits seit einem Jahr in einer fortgesetzten Verhaltenstherapie doch merke einfach ich komme ohne medikamentöse Hilfe nicht mehr zu recht die Belastung im Alltag ist einfach zu groß. Und ich will mich absolut nicht mehr mit irgendwelchen amphetaminen vollpumpen lassen da es mich bereits einmal zu Grunde gerichtet hat.

Meine Frage jetzt kennt jmd einen guten Arzt der etwas aufgeschlossener ist und nicht unbedingt nach der "alten Schule" geht und mir helfen kann. Denn auch wenn es evtl bescheuert klingt Cannabis hat mir extrem geholfen in der Hinsicht

Ich bin für jede Antwort schonmal im voraus dankbar da ich mir langsam selber nicht mehr zu helfen weiß
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Cookie
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Re: Suche offenen Arzt gegen Adhs & Depressionen

Beitrag von Cookie »

Hallo René und willkommen im Forum!

Klingt so, als bräuchtest Du wirklich Hilfe. Wo in Bayern lebst Du denn, oder wäre dir das egal? Falls Nähe München, kann ich Dir die App WeedMaps empfehlen. Immerhin spuckt sie eine Ärztin aus... allerdings ist es eine HNO Ärztin.

Hab Dir noch 2 Ärzte per PN geschickt, ebenfalls München.
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Gerion
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Gerion »

Hallo,
ich möchte auch mal meinen Senf dazu beitragen:
Cannabis bei Depression ist aus meiner Sicht wirklich keine gute Idee - und sich dabei auf irgendwelche Tiermodelle zu beziehen ist richtig gefährlich. Ich bin Arzt und verschreibe Cannabis - aber keinesfalls zur Behandlung einer Depression. Aus der Praxis kann ich dazu nur sagen, dass es keine Aussicht auf Erfolg gibt. Ich verwende mit deutlich größerem Erfolg Ketamin -auch das hilft nicht bei jedem, und ist nur bei einem kleinen Prozentsatz der Patienten für eine Dauertherapie geeignet, kann aber wirklich gut helfen.
Ich glaube, dass Psilocybin auch eine gute Variante wäre, allerdings ist die Beschaffung extrem schwierig. Es ist zwar möglich, das über eine Firma zu besorgen, eine Apotheke könnte dann das ganze als Tablette herstellen, aber die Gabe ist extrem schwierig, da man eine Überwachung für mindestens einen ganzen Tag durchführen müsste. Das ist dann wiederum kaum zu bezahlen, da das Psilocybin allein schon ein paar Hundert Euro kostet.
Ich persönlich glaube, dass der Ketamin-Ansatz sehr vielversprechend ist auch für die zukünftige Entwicklung neuer Antidepressive - auch das wird kein Wundermittel sein, aber doch dem einen oder anderen gut helfen.
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cOOLsp0T
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von cOOLsp0T »

Hi an alle Cannabaceae Mitliebhaber,

Ich habe mir die Beiträge im Thread ziemlich genau durchgelesen (für Fehler keine Gewähr! :P) und mir ist aufgefallen, dass zwischen Sativa & Indica keinen Unterschied gemacht wird. Als langjähriger (mehr als 15 Jahre) Morbus Crohn Patient der mit dem All-round-omni-miracle Medikament Cortison (Patenthalter: Merck, Darmstadt) behandelt wurde, mit der ich schon haufenweise Nebenwirkungen durchmachen musste und eine Nebenwirkung war medikamentös bedingte Depressionen, muss ich sagen, dass es einen riesen Unterschied gibt.

Meine Erfahrung mit der Sache hat ergeben, dass Sativa Sorten absolut ungeeignet sind um Depressionen entgegen zu wirken. Durch die noch verstärkt beruhigende Wirkung hat der Depressive noch weniger Kraft & Antrieb um den Alltag zu meistern. Es tritt eine Art letargische Kraftlosigkeit ein, die zur Verstärkung der Symptomatik führt. Beruhigungsmittel in jeglicher Form sind bei Depressionen absolut gar nicht zu empfehlen! Denn die meisten Depressionen entstehen aus Zugzwang & der gleichzeitigen Ansicht nicht genug Kraft zu haben um den Zugzwang zu bewälltigen. Der Wechsel auf eine Indica Sorte verlief entgegen sehr positiv. Die Stimmung wird gehoben, gleichzeitig ergibt sich ein "dickeres Fell" für negative Wechselwirkungen mit der Umwelt. Ebenfalls wird der Druck des Zugzwangs abgebaut, da von vornerein eine bessere psychische & physische Einstellung zur Problemstellung besteht und sich festigt.

Komplett Laienhaft erklärt:
Der unter Depressionen leidende Patient wird die Aufgabe gestellt einen Stein zu stämmen. Der Patient ist noch bevor ein Versuch unternommen wurde der Meinung, dass dies für ihn unmöglich sei. Nach der Verabreichung eines Beruhigungsmittels wird der Patient noch einmal aufgefordert selbigen Stein zu stämmen. Der Patient versinkt nun weiter in Depressionen. Da er nun der Meinung ist, dass dies ein neuer Stein wäre, der doppelt so schwer sei.
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Hans Dampf
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Hans Dampf »

Gerion hat geschrieben: Fr 2. Nov 2018, 07:58 Hallo,
ich möchte auch mal meinen Senf dazu beitragen:
Cannabis bei Depression ist aus meiner Sicht wirklich keine gute Idee - und sich dabei auf irgendwelche Tiermodelle zu beziehen ist richtig gefährlich. Ich bin Arzt und verschreibe Cannabis - aber keinesfalls zur Behandlung einer Depression. Aus der Praxis kann ich dazu nur sagen, dass es keine Aussicht auf Erfolg gibt. Ich verwende mit deutlich größerem Erfolg Ketamin -auch das hilft nicht bei jedem, und ist nur bei einem kleinen Prozentsatz der Patienten für eine Dauertherapie geeignet, kann aber wirklich gut helfen.
Ich glaube, dass Psilocybin auch eine gute Variante wäre, allerdings ist die Beschaffung extrem schwierig. Es ist zwar möglich, das über eine Firma zu besorgen, eine Apotheke könnte dann das ganze als Tablette herstellen, aber die Gabe ist extrem schwierig, da man eine Überwachung für mindestens einen ganzen Tag durchführen müsste. Das ist dann wiederum kaum zu bezahlen, da das Psilocybin allein schon ein paar Hundert Euro kostet.
Ich persönlich glaube, dass der Ketamin-Ansatz sehr vielversprechend ist auch für die zukünftige Entwicklung neuer Antidepressive - auch das wird kein Wundermittel sein, aber doch dem einen oder anderen gut helfen.
Willkommen im Forum, Gerion.
Zuerst mal vielen Dank dass du hier als Arzt dich zu Wort meldest und deine Erfahrungen teilst.

Ein paar Fragen und Anmerkungen dazu:

1) Psilocybin
Wenn Psilocybin so teuer ist und gleichzeitig eine gute Variante, warum dann nicht gleich Lysergsäurediethylamid? Forschungen aus den 60'er und 70'er sowie aktuelle anekdotische Erfahrungsberichte zeigen doch deutliches Potential bei psychischen Erkrankungen, insbesondere auch im Hinblick auf die Langzeitwirkung.

2) Depression und Cannabis
Warum würdest du *keinesfalls*(!) Cannabis bei Depression verschreiben? Woher kommt die Absolutheit dieser Aussage? Hast du da Studien dazu? Oder beruht die Aussage auf deinen Beobachtungen aus der Praxis? Und wenn letzteres, wie viele Patienten?

Ich meine mal was in einer Studie aus England dazu gelesen zu haben (finde die Studie leider nicht mehr). Dort wurden wohl mehrere Tausend Konsumenten per Onlineabfrage über ein Jahr hinweg zu diversen Themen befragt. Beim Thema Depression kam heraus, dass in der Tendenz eher eine Verschlechterung der Symptome in diesem Zeitraum auftrat. Allerdings wurde das auch nivht genauer differenziert.

Ich frage auch aus persönlichen Interesse. Ich bekomme wg. ADHS Cannabis seit über einem Jahr verschrieben und kann bezüglich der Komorbidität Depression nur gutes berichten, möchte aber nicht in der Zukunft feststellen müssen, dass dann die Depressionen viel heftiger zurückkommen (was ich bisher nicht glaube).

3) Welcher Art (Fach-)Arzt bist du?

Danke und schönes Wochenende!
Gerion
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Gerion »

- mich persönlich würde es tatsächlich reizen, die Therapie mit Psilocybin anzubieten, alles was man liest, klingt gut. Leider sind die Kosten aus meiner Sicht allein für eine Anwendung bei mindestens 1500-2000 Euro anzusetzen und man müsste das gut vorbereiten. Und letztendlich bleibt natürlich auch ein Risiko, daher wird das wohl erstmal nichts. Ähnliches sehe ich für LSD. Das mag alles gut und schön sein und in den 70er durchgeführt worden sein. Vielleicht hilft es auch. Aber wenn da was passiert - und negative Wirkungen werden nicht zu verhindern sein, selbst wenn sie selten sind - dann wird man als Arzt ziemlich Gegenwind bekommen und vielleicht sogar um seine Zulassung bangen müssen. Letztendlich jedenfalls steht dabei zuviel auf dem Spiel, als dass man es mal so "eben" ausprobieren könnte.

- mit Cannabis habe ich bei Depressionen noch keinen Erfolg gesehen und einige Male angewandt. Insgesamt sind die Hoffnungen in Cannabis sowieso völlig überzogen. Eine Auswertung der Krankenkassen hat gerade gezeigt, dass die meisten Cannabis-Verordnungen nur von kurzer Dauer sind. D.h. Patienten wollen das/kriegen das aber nach einem Rezept geht es gar nicht weiter, weil es einfach nicht die Hoffnungen erfüllt. Dennoch bin ich der Ansicht, dass man es im Einzelfalls probieren kann - aber eben nicht bei Depression, da sehe ich wie oben beschrieben andere Optionen.

- Ich bin Anästhesist

- Wenn Dir Cannabis hilft, dann ist das sicherlich gut und ich möchte da auch nicht gegen anreden. Ich habe aber für mich da einen prinzipiellen Ausschluss gezogen. Die Patienten mit Depression sind extrem heterogen. Und was Cannabis angeht, kommen super viele Anfragen von ganz unterschiedlichen Leuten, gerade viele, die das schon von sich aus "privat" genutzt haben. Das ist auch wieder für einen Arzt ein gefährliches Fahrwasser. Man kann da sehr wenig kontrollieren, was passiert und am Ende besteht die Gefahr einer Abhängigkeit, von Co-Missbrauch usw... Daher verschreibe ich auch ausnahmslos fast nur Tropfen.

VG
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Cookie »

Gerion hat geschrieben: Fr 2. Nov 2018, 12:30 Das ist auch wieder für einen Arzt ein gefährliches Fahrwasser. Man kann da sehr wenig kontrollieren, was passiert und am Ende besteht die Gefahr einer Abhängigkeit, von Co-Missbrauch usw...
Also, die Gefahr einer Abhängigkeit sehe ich ehrlich gesagt nicht. Man kann es absetzen - und gut is.

Und das sagt Dir jemand, der das Zeug schon seit gut 30 Jahren konsumiert... das sagt aber natürlich nichts über seine Eignung bei Depressionen aus. Ich persönlich halte sie aus Erfahrung für gut, aber sicher ist richtig, dass Depressionspatienten heterogen sind.
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Gerion »

Genau so ist das mit der Sucht.... "ich kann morgen aufhören, wenn ich will" :D :D :D
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24001294
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Cookie »

Gerion hat geschrieben: Fr 2. Nov 2018, 13:09 Genau so ist das mit der Sucht.... "ich kann morgen aufhören, wenn ich will" :D :D :D
Richtig. Ich will nur nicht :mrgreen: .

Aber Scherz bei Seite: ich meine es ernst. Auch das sagt mir die Erfahrung.
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cOOLsp0T
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von cOOLsp0T »

Gerion hat geschrieben: Fr 2. Nov 2018, 12:30
- mit Cannabis habe ich bei Depressionen noch keinen Erfolg gesehen und einige Male angewandt. Insgesamt sind die Hoffnungen in Cannabis sowieso völlig überzogen. Eine Auswertung der Krankenkassen hat gerade gezeigt, dass die meisten Cannabis-Verordnungen nur von kurzer Dauer sind. D.h. Patienten wollen das/kriegen das aber nach einem Rezept geht es gar nicht weiter, weil es einfach nicht die Hoffnungen erfüllt. Dennoch bin ich der Ansicht, dass man es im Einzelfalls probieren kann - aber eben nicht bei Depression, da sehe ich wie oben beschrieben andere Optionen.

- Ich bin Anästhesist

- Wenn Dir Cannabis hilft, dann ist das sicherlich gut und ich möchte da auch nicht gegen anreden. Ich habe aber für mich da einen prinzipiellen Ausschluss gezogen. Die Patienten mit Depression sind extrem heterogen. Und was Cannabis angeht, kommen super viele Anfragen von ganz unterschiedlichen Leuten, gerade viele, die das schon von sich aus "privat" genutzt haben. Das ist auch wieder für einen Arzt ein gefährliches Fahrwasser. Man kann da sehr wenig kontrollieren, was passiert und am Ende besteht die Gefahr einer Abhängigkeit, von Co-Missbrauch usw... Daher verschreibe ich auch ausnahmslos fast nur Tropfen.

VG
- Also ich habe eine jahrelange Prednisolon Medikamentation hinter mir und ich muss ehrlich sagen, welche Hoffnung soll denn Cannabis erfüllen die ein herkömmliches Medikament nicht erfüllt? In meinem Beispiel ist die Hoffnung den schweren Nebenwirkungen aus dem Weg zu gehen die mit meiner Medikamentation einhergeht und da ist von Nebennierenrindenschwund über Cushing-Syndrom & Grauer Starr alles dabei. Da geh ich lieber das Risiko ein unter einem trockenen Mundraum, geröteten Augen oder erhöhter Appetitbereitschaft zu "leiden". Für mich sieht das eher nach einer Verteidigung der Pharmazeutik aus und sogar mit sehr dünner Argumentation.

- Ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber wieso behandelt ein Anästhesist überhaupt einen Depressionspatienten?

- Zu diesem Punkt muss ich leider dreißt sagen, dass mir Ihre Argumentation gar nicht schmeckt. Bissher ist noch keine physische Abhängigkeit bei Cannabis je, egal wo, egal wann, je empirisch nachgewiesen worden. Während die Stöffchen die Sie so verschreiben hochgradig abhängig machen und sogar Langzeitschäden erzeugen. Darüber hinaus, Menschen mit einer psychischen Störung wirken auf gesunde Menschen absolut selbsterklärend heterogen. Das ist Teil der nach außen sichtbaren Symptomatik eines psychisch erkrankten Menschen... das sollten sie aber wirklich besser wissen.

Ich gebe Ihnen mal einen ganz gut gemeinten Rat auf den Weg, weil sie scheinen körperlich gesund und haben anscheinend eine ganz andere Perspektive auf die Realität als die, die ein Patient so erfährt. Menschen die sich Ihnen anvertrauen und zugeben sich schon mal privat selbst mit Cannabis medikamentiert zu haben, haben das Vertrauen in die Schulmedizin sowieso schon verloren, weil man Ihnen nicht wirksam & vor allem würdevoll helfen konnte. Sie sind dieser Person letzter Versuch sich an die Medizin zu wenden, wenn sie solche Personen allerdings kritisch gegenüber treten, weil der Patient versucht hat eine alternative Heilungsmethode in Anspruch zu nehmen, obwohl er eine Linderung verspührte ist fraglich wie ihre Einstellung als akademisch ausgebildeter Mediziner zu werten ist.

P.S
Gerion hat geschrieben: Fr 2. Nov 2018, 13:09 Genau so ist das mit der Sucht.... "ich kann morgen aufhören, wenn ich will" :D :D :D
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24001294
Komisch, ich hab noch nie gehört, dass jemand der aufhören möchte Cannabis zu konsumieren über körperliche Entzugserscheinungen klagte. Entziehen Sie doch mal einem Ihrer Morphiumpatienten von heute auf morgen sein Morphium. Das ist der Unterschied, der hier irgendwie keine Rolle zu spielen scheint.
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Hans Dampf
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Hans Dampf »

cOOLsp0T hat geschrieben: Fr 2. Nov 2018, 13:38
Gerion hat geschrieben: Fr 2. Nov 2018, 12:30
- mit Cannabis habe ich bei Depressionen noch keinen Erfolg gesehen und einige Male angewandt. Insgesamt sind die Hoffnungen in Cannabis sowieso völlig überzogen. Eine Auswertung der Krankenkassen hat gerade gezeigt, dass die meisten Cannabis-Verordnungen nur von kurzer Dauer sind. D.h. Patienten wollen das/kriegen das aber nach einem Rezept geht es gar nicht weiter, weil es einfach nicht die Hoffnungen erfüllt. Dennoch bin ich der Ansicht, dass man es im Einzelfalls probieren kann - aber eben nicht bei Depression, da sehe ich wie oben beschrieben andere Optionen.

- Ich bin Anästhesist

- Wenn Dir Cannabis hilft, dann ist das sicherlich gut und ich möchte da auch nicht gegen anreden. Ich habe aber für mich da einen prinzipiellen Ausschluss gezogen. Die Patienten mit Depression sind extrem heterogen. Und was Cannabis angeht, kommen super viele Anfragen von ganz unterschiedlichen Leuten, gerade viele, die das schon von sich aus "privat" genutzt haben. Das ist auch wieder für einen Arzt ein gefährliches Fahrwasser. Man kann da sehr wenig kontrollieren, was passiert und am Ende besteht die Gefahr einer Abhängigkeit, von Co-Missbrauch usw... Daher verschreibe ich auch ausnahmslos fast nur Tropfen.

VG
- Also ich habe eine jahrelange Prednisolon Medikamentation hinter mir und ich muss ehrlich sagen, welche Hoffnung soll denn Cannabis erfüllen die ein herkömmliches Medikament nicht erfüllt? In meinem Beispiel ist die Hoffnung den schweren Nebenwirkungen aus dem Weg zu gehen die mit meiner Medikamentation einhergeht und da ist von Nebennierenrindenschwund über Cushing-Syndrom & Grauer Starr alles dabei. Da geh ich lieber das Risiko ein unter einem trockenen Mundraum, geröteten Augen oder erhöhter Appetitbereitschaft zu "leiden". Für mich sieht das eher nach einer Verteidigung der Pharmazeutik aus und sogar mit sehr dünner Argumentation.

- Ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber wieso behandelt ein Anästhesist überhaupt einen Depressionspatienten?

- Zu diesem Punkt muss ich leider dreißt sagen, dass mir Ihre Argumentation gar nicht schmeckt. Bissher ist noch keine physische Abhängigkeit bei Cannabis je, egal wo, egal wann, je empirisch nachgewiesen worden. Während die Stöffchen die Sie so verschreiben hochgradig abhängig machen und sogar Langzeitschäden erzeugen. Darüber hinaus, Menschen mit einer psychischen Störung wirken auf gesunde Menschen absolut selbsterklärend heterogen. Das ist Teil der nach außen sichtbaren Symptomatik eines psychisch erkrankten Menschen... das sollten sie aber wirklich besser wissen.

Ich gebe Ihnen mal einen ganz gut gemeinten Rat auf den Weg, weil sie scheinen körperlich gesund und haben anscheinend eine ganz andere Perspektive auf die Realität als die, die ein Patient so erfährt. Menschen die sich Ihnen anvertrauen und zugeben sich schon mal privat selbst mit Cannabis medikamentiert zu haben, haben das Vertrauen in die Schulmedizin sowieso schon verloren, weil man Ihnen nicht wirksam & vor allem würdevoll helfen konnte. Sie sind dieser Person letzter Versuch sich an die Medizin zu wenden, wenn sie solche Personen allerdings kritisch gegenüber treten, weil der Patient versucht hat eine alternative Heilungsmethode in Anspruch zu nehmen, obwohl er eine Linderung verspührte ist fraglich wie ihre Einstellung als akademisch ausgebildeter Mediziner zu werten ist.

P.S
Gerion hat geschrieben: Fr 2. Nov 2018, 13:09 Genau so ist das mit der Sucht.... "ich kann morgen aufhören, wenn ich will" :D :D :D
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24001294
Komisch, ich hab noch nie gehört, dass jemand der aufhören möchte Cannabis zu konsumieren über körperliche Entzugserscheinungen klagte. Entziehen Sie doch mal einem Ihrer Morphiumpatienten von heute auf morgen sein Morphium. Das ist der Unterschied, der hier irgendwie keine Rolle zu spielen scheint.
Hi!

Selbst wenn ich dir in einigen der genannten Punkte zustimme, fände ich es durchaus hilfreich bei Sachargumenten zu bleiben und nicht den User(Autor direkt anzugreifen. Hier sind in den letzten Jahren so viele Streitigkeiten auch wegen - aus meiner Sicht - nicht notwendiger persönlicher Anwürfe. Insbesondere wenn sich hier mal ein Arzt äußert (Wobei ich die Frage nach dem Anästhesisten der Cannabis gegen Depression verschreibt schon auch widersprüchlich finde).
Zuletzt geändert von Hans Dampf am Fr 2. Nov 2018, 14:55, insgesamt 1-mal geändert.
Gerion
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Gerion »

Naja...es war ja erwartbar, dass die Diskussion hier abgleitet. Ich habe mehr als 15 Jahren Berufserfahrung und muss mir glaube ich keine Vorwürfe oder Belehrungen anhören von Leuten, die mich nicht persönlich kennen - aber wie gesagt - das ist ja normaler "Forensprech":-)
Ich behandele weiter fröhlich und es wird niemand gezwungen, zu mir zu kommen. Ich laufen übrigens NICHT auf der Strasse rum und verteile Cannabis-Rezepte an Leute, die irgendwie traurig aussehen...obwohl es vielleicht eine gute Geschäftsidee wäre:-)

Ich werde gerne hier hin und wieder meine Erfahrungen aus Sicht eines "professionellen" wiedergeben. Dass diese sicherlich nicht deckungsgleich ist mit der Sichtweise anderer, ist mir durchaus bewusst.

...spannend übrigens das Argument, ich würde "Pharmazeutik" verteidigen (was immer das ist). Ich nehme an, das soll heissen, ich würde Schulmedizin verteidigen. Das ist natürlich quatsch. Mit Cannabis verdient die Pharmaindustrie RICHTIG Asche;-) Dagegen lässt sich mit Kortison kaum was verdienen.
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Gerion »

PS.: Ich bin übrigens Anästhesist, Notarzt, Schmerztherapeut und Intensivmediziner. :shock: (und ich verschreibe eben NICHT Cannabis gegen Depressionen ;) )
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Hans Dampf
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Hans Dampf »

Gerion hat geschrieben: Fr 2. Nov 2018, 14:41 (...) Mit Cannabis verdient die Pharmaindustrie RICHTIG Asche;-) Dagegen lässt sich mit Kortison kaum was verdienen.
Wer in der meinst du mit "Pharmaindustrie" verdient mit Cannabis richtig Asche? Meines Wissen sind die großen Player (Bayer, Roche) zumindest bei den Blüten nicht im Geschäft.
Natürlich wird mit medizinischen Cannabis und Cannabisprodukten viel Geld gemacht, nur bisher nicht von denjenigen, deren Umsätze, wenn denn Cannabis tatsächlich im größeren Umfang verschrieben wird, zurückgehen würde.
Und bei den Blüten machen derzeit vor allem die Apotheker den Reibach.

Zu teuer ist das alles, vor allem wenn man bedenkt, dass man mit Selbstanbau deutlich günstiger käme, vor allem wenn man outdoor anbauen dürfte.
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von cOOLsp0T »

Gerion hat geschrieben: Fr 2. Nov 2018, 14:41 Naja...es war ja erwartbar, dass die Diskussion hier abgleitet. Ich habe mehr als 15 Jahren Berufserfahrung und muss mir glaube ich keine Vorwürfe oder Belehrungen anhören von Leuten, die mich nicht persönlich kennen - aber wie gesagt - das ist ja normaler "Forensprech":-)
Ich behandele weiter fröhlich und es wird niemand gezwungen, zu mir zu kommen. Ich laufen übrigens NICHT auf der Strasse rum und verteile Cannabis-Rezepte an Leute, die irgendwie traurig aussehen...obwohl es vielleicht eine gute Geschäftsidee wäre:-)

Ich werde gerne hier hin und wieder meine Erfahrungen aus Sicht eines "professionellen" wiedergeben. Dass diese sicherlich nicht deckungsgleich ist mit der Sichtweise anderer, ist mir durchaus bewusst.

...spannend übrigens das Argument, ich würde "Pharmazeutik" verteidigen (was immer das ist). Ich nehme an, das soll heissen, ich würde Schulmedizin verteidigen. Das ist natürlich quatsch. Mit Cannabis verdient die Pharmaindustrie RICHTIG Asche;-) Dagegen lässt sich mit Kortison kaum was verdienen.
Pharmazie (von griech. φάρμακον pharmakon „Heilmittel, Gift, Zaubermittel“) oder Pharmazeutik

So langsam glaube ich, dass wir hier einen Blender haben. Von wegen Arzt und was soll "Pharmazeutik verteidigen" überhaupt heißen. Von welchem Pharmazeutikunternehmen bekommen Sie denn Ihre Präperate? Mon Santos, Merck, Bayer, Pfizer oder werden diese vom Apotheker frisch zubereitet? Und welche dieser Firmen würde sich schon für eine Legalisierung von Hanf einsetzen, wenn doch Patente & Verträge auf dem Spiel stehen? Das Sie am verschreiben eines Rezepts für ein Medikament nicht viel verdienen ist ja auch klar. Sie haben die Behandlung in dem Momentan ja auch an das Pharmazeutikunternehmen indirekt weitergeleitet. An Cannabis verdient die Pharmaindustrie erstmal gar nichts, weil sie die Pflanze an sich nicht als Produkt lizensieren lassen kann. Also muss erst ein Produkt wie Dronabinol aus der Pflanze gemacht werden und dabei verdient die Pharmaindustrie, aber wozu das ganze, wenn man doch Medikamente auf Lager hat die in Umlauf müssen. Der Apotheker verdient bei der Vergabe von reinem "Floss" gar nichts, aber lassen Sie ihn mal Hand anlegen und die "Floss" verarbeiten, schon wird aus 30€ ganz schnell 200€. Man braucht kein Experte zu sein um zu sehen das, dass gesagte von Gerion absolut reservierter Quatsch ist.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin auch nicht für eine Legalisierung auf dem Level, dass Cannabis das Wunderkraut gegen einfach jedes Weh-Wehchen ist, aber das was Sie hier "professionelle" Sicht nennen, sieht für mich als theoretischer Physiker eher nach einem Wahrnehmungsfehler aus, der sich durch Missinformation gebildet hat.
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Gerion »

Sehr amüsant :-)
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Gerion »

Anfänglich habe ich mal meine persönliche Meinung über Cannabis geschildert.
Ich hoffe, Sie haben Verständnis dafür, dass ich keine Lust habe zu diskutieren :
- wer wie wann mit Cannabis Geld verdient
- ob ich Arzt oder billiger Hochstapler oder russischer Troll bin
- wer Cannabis aus Sicht eines Laien verschreiben darf und wer nicht
- was Pharmazeutik nun genau bedeutet
- wer hier nun endlich Recht und das letzte Wort hat

Schöne Woche!
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Hans Dampf
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Hans Dampf »

Gerion hat geschrieben: Fr 2. Nov 2018, 15:59 Anfänglich habe ich mal meine persönliche Meinung über Cannabis geschildert.
Ich hoffe, Sie haben Verständnis dafür, dass ich keine Lust habe zu diskutieren :
- wer wie wann mit Cannabis Geld verdient
- ob ich Arzt oder billiger Hochstapler oder russischer Troll bin
- wer Cannabis aus Sicht eines Laien verschreiben darf und wer nicht
- was Pharmazeutik nun genau bedeutet
- wer hier nun endlich Recht und das letzte Wort hat

Schöne Woche!
Geht völlig klar und geht vielen hier so.
Nur möchte ich darauf hinweisen, dass das Thema Geld von Ihnen selbst und in Großbuchstaben in die Diskussion gebracht wurde:
Mit Cannabis verdient die Pharmaindustrie RICHTIG Asche;-)
;)

Schönes Wochenende! :)
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von cOOLsp0T »

Gerion hat geschrieben: Fr 2. Nov 2018, 15:59 Anfänglich habe ich mal meine persönliche Meinung über Cannabis geschildert.
Ich hoffe, Sie haben Verständnis dafür, dass ich keine Lust habe zu diskutieren :
- wer wie wann mit Cannabis Geld verdient
- ob ich Arzt oder billiger Hochstapler oder russischer Troll bin
- wer Cannabis aus Sicht eines Laien verschreiben darf und wer nicht
- was Pharmazeutik nun genau bedeutet
- wer hier nun endlich Recht und das letzte Wort hat

Schöne Woche!
Meinungen rufen Diskussionen hervor. Hätte auch mich treffen können. Das ist vollkommen normal, darüber hinaus sollten Sie, wenn Sie nicht diskutieren wollen sich nicht in einem Diskussionsforum anmelden und an einer Diskussion teilnehmen.

- Sollte Sie im Namen Ihrer Patienten sogar brennend interessieren.
- Wenn Sie sich als Arzt zu erkennen geben und möchten, das Ihr Titel in der Diskussion einen Aussagegehalt bekommt müssen Sie sich dies wohl gefallen lassen.
- Was Pharmazeutik genau bedeutet ist auch kein Diskussionthema, denn dies ist bereits definiert und in Lexika's nachschlagbar.
- Ich bin Wissenschaftler und Recht innerhalb eines Meinungsaustauschs interessiert mich ebenfalls einen Dreck, aber unrichtige Informationen streuen oder sich für einen Akademiker ausgeben kann ich nicht akzeptieren.
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Hans Dampf
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Hans Dampf »

cOOLsp0T hat geschrieben: Fr 2. Nov 2018, 16:14
(...)
- Ich bin Wissenschaftler und Recht innerhalb eines Meinungsaustauschs interessiert mich ebenfalls einen Dreck, aber unrichtige Informationen streuen oder sich für einen Akademiker ausgeben kann ich nicht akzeptieren.
Nochmals die Bitte nicht persönlich zu werden! :!:

Und vor allem sich selbst an das zu halten, was du von anderen forderst. Denn: Kannst du deine Aussagen ernsthaft belegen?
Gerion
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Gerion »

Danke für die Unterstützung.
moepens
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von moepens »

Möglicherweise können ja Depressionen bei jenen Patienten zusätzlich positiv beeinflusst werden, die (komorbide) chronische Erkrankungen haben, welche mit Cannabis erfolgreich behandelt werden.
Die Kritik an der Studienlage ist korrekt. Jedoch ist die vielversprechendere Substanz zur Behandlung CBD und dieses wurde von der WHO kürzlich als sehr sicher im Umgang deklariert:

"In humans, CBD exhibits no effects indicative of any abuse or dependence potential.
...
CBD is generally well tolerated with a good safety profile. Reported adverse effects may be as a result of drug-drug interactions between CBD and patients’ existing medications.
...
To date, there is no evidence of recreational use of CBD or any public health related problems associated with the use of pure CBD. "


Quelle: http://www.who.int/medicines/access/con ... .2_CBD.pdf
Gerion
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Gerion »

Danke für diesen endlich mal wieder rationalen Beitrag. Dazu sollte man aber auch die Unterschiede zwischen THC und CBD beleuchten und vielleicht erwähnen "Cannabidiol is not listed on the WHO Model List of Essential Medicines (20th List) or the WHO Model List of Essential Medicines for Children (6th List).[70]" aus der selben Arbeit.

Und wenn wir schon über die WHO reden, dann zitiere ich die WHO über Cannabis (http://www.who.int/substance_abuse/facts/cannabis/en/):
Chronic health effects of cannabis use
selective impairment of cognitive functioning which include the organization and integration of complex information involving various mechanisms of attention and memory processes;
prolonged use may lead to greater impairment, which may not recover with cessation of use, and which could affect daily life functions;
development of a cannabis dependence syndrome characterized by a loss of control over cannabis use is likely in chronic users;
cannabis use can exacerbate schizophrenia in affected individuals;
moepens
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von moepens »

Umso wichtiger wäre es, Selbstmedikation von Patienten möglichst zu beenden oder zu beeinflussen, indem man sie Ernst nimmt. Für sehr vorsichtige Ärzte bietet sich auf jeden Fall CBD zur Verschreibung an, als Teil der Therapie.
Zumindest kann man so einem potentiellen Missbrauch von Cannabis entgegen wirken, bedingt durch die Wirkungsweise von CBD.

Depression als Indikation zur Verschreibung von mehr oder minder dronabinolhaltigen Arzneimitteln oder -pflanzen war bisher allerdings nicht die absolute Ausnahme:

Die bisherigen Ausnahmegenehmigungen für eine Behandlung mit Cannabis nach § 3 Abs. 2 BtMG (siehe hierzu Frage 15) wurde vom BfArM vorrangig bei folgenden Indikationen erteilt:
...
- Depression (ca. 7 %)


Quelle: http://www.bundesaerztekammer.de/filead ... nnabis.pdf
Gerion
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Registriert: Fr 2. Nov 2018, 07:52

Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Gerion »

Ja, mal sehen wie es weitergeht. Grundsätzlich habe ich kein Problem, Cannabis zu verordnen. Ich tue das zu 90% für die Schmerztherapie.
Wenn ein Patient mit entsprechender Empfehlung eines behandelnden Psychologen/Psychiater kommt, würde ich das auch bei Depression tun mit entsprechenden umfangreicher Aufklärung über die Risiken.
In der Praxis ist es leider so, dass die Patienten grade bei Psychischen Erkrankungen oder ADHS erstmal selbst ausprobieren und dann mit recht fordernder Haltung zu mir kommen - ohne Befunde von Psychiatern, Neurologen oder ähnliches. Da tue ich mich sehr schwer. Aus Sicht des Arztes weiss ich dann auch nicht, was da noch alles eventuell im Spiel ist und wenn ich dann was verordne und Komplikationen auftreten, wäre das für mich sehr unangenehm.

Vom daher kann man nur empfehlen: wenn jemand von einem Arzt Cannabis möchte, sollte er sie in den sauren Apfel beißen und sich dem "folgsam" unterordnen, sonst wird jeder Arzt schnell die Finger davon lassen. Vorherige Beiträge in dieser Diskussion haben ja schon deutlich gezeigt, wie schnell man da massiven Gegenwind bekommt vom Leuten die sofort sagen: Der Arzt hat eh Keine Ahnung, es geht nur ums Geld und ich weiss es eh besser.
So kann man keine verantwortliche Arzt-Patienten-Beziehung aufbauen. Da ziehe ich mich als Arzt zurück - und oft merkt man das eben schnell bereits im ersten Gespräch, in Welche Richtung das ganze geht.
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